An Adolph Selmnitz
1772Was paßt, das muß sich ründen, Was sich versteht, sich finden, Was gut ist, sich verbinden, Was liebt, zusammensein. Was hindert, muß entweichen, Was krumm ist, muß sich gleichen, Was fern ist, sich erreichen, Was keimt, das muß gedeihn.
Gib traulich mir die Hände, Sei Bruder mir und wende Den Blick vor Deinem Ende Nicht wieder weg von mir. Ein Tempel – wo wir knieen – Ein Ort – wohin wir ziehen Ein Glück – für das wir glühen Ein Himmel – mir und dir.
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Interpretation
Das Gedicht "An Adolph Selmnitz" von Novalis ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Einheit, Harmonie und Zusammengehörigkeit. In den ersten Versen betont der Autor die Notwendigkeit, dass Dinge, die zusammengehören, sich vereinen und dass Hindernisse beseitigt werden müssen. Die Naturgesetze der Runden, Finden, Verbinden und Zusammenseins werden als Metaphern für menschliche Beziehungen und Bestrebungen verwendet. Das Gedicht drückt den Wunsch nach einer tiefen, brüderlichen Verbindung aus, die durch äußere Umstände nicht getrennt werden kann. In der zweiten Strophe wendet sich der Dichter direkt an Adolph Selmnitz und bittet ihn, ihm die Hände zu geben und Bruder zu sein. Die Aufforderung, den Blick nicht von ihm abzuwenden, unterstreicht die Dringlichkeit und Tiefe dieser Bitte. Novalis verwendet religiöse und spirituelle Bilder, um die Bedeutung dieser Verbindung zu verdeutlichen. Der "Tempel", an dem sie knien, der "Ort", zu dem sie ziehen, das "Glück", für das sie brennen, und der "Himmel", der ihnen beiden gehört, symbolisieren die gemeinsamen Ziele und Bestrebungen, die sie verbinden. Das Gedicht ist ein Ausdruck der romantischen Ideale der Einheit von Mensch und Natur, der Brüderlichkeit und der Suche nach einem höheren, spirituellen Ziel. Novalis' Worte sind ein Aufruf zur Überwindung von Hindernissen und zur Verfolgung eines gemeinsamen Schicksals. Die enge Verbindung zwischen den beiden Personen wird als etwas Heiliges und Unverbrüchliches dargestellt, das über das Individuelle hinausgeht und in eine größere, universelle Harmonie mündet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was hindert, muß entweichen, Was krumm ist, muß sich gleichen
- Metaphorik
- Ein Tempel – wo wir knieen
- Parallelismus
- Was paßt, das muß sich ründen, Was sich versteht, sich finden, Was gut ist, sich verbinden, Was liebt, zusammensein.
- Reimschema
- AABB CCDD EEFF
- Symbolik
- Ein Glück – für das wir glühen, Ein Himmel – mir und dir