Amynt und Chloe

Karl Wilhelm Ramler

1744

Ich bins, o Chloe! fleuch nicht mit nacketem Fuss Durch diese Dornen! fleuch nicht den frommen Amynt! Hier ist dein Kranz, hier ist dein Gürtel! Komm, bade sicher, ich störe dich nicht.

Sieh her! ich eile zurück, und bänge den Raub An diesen Weydenbaum auf. – – Ach! stürze doch nicht! Es folgt dir ja kein wilder Satyr, Kein ungezähmter Cyklope dir nach. –

Dich, schlankes, flüchtiges Reh, dich hab’ ich erhascht! Nun widerstrebe nicht mehr! nimm Gürtel und Kranz, Und weihe sie der strengen Göttinn, An deren ödem Altare du dienst.

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Illustration zu Amynt und Chloe

Interpretation

Das Gedicht "Amynt und Chloe" von Karl Wilhelm Ramler erzählt von einer Verfolgungsjagd zwischen dem Schäfer Amynt und dem Mädchen Chloe. Amynt versucht, Chloe zur Umkehr zu bewegen, indem er sie vor den Gefahren des Weges warnt und ihr verspricht, sie nicht zu stören. Er betont, dass keine Gefahr von wilden Satyrn oder Zyklopen droht, und versucht, Chloes Ängste zu zerstreuen. In der zweiten Strophe ändert sich die Tonlage. Amynt hat Chloe erwischt und fordert sie auf, nicht länger zu widerstehen. Er übergibt ihr Kranz und Gürtel, die sie der strengen Göttin weihen soll, der sie dient. Dies deutet auf einen religiösen Kontext hin, in dem Chloe möglicherweise ein Gelübde abgelegt hat, das Amynt zu brechen versucht. Die Interpretation des Gedichts kann als eine Auseinandersetzung zwischen weltlicher Verführung und religiöser Hingabe gesehen werden. Amynt verkörpert die weltliche Verführung, die Chloe von ihrem religiösen Gelübde abbringen will. Chloe hingegen steht für die religiöse Hingabe, die sich gegen die Verführung wehrt. Das Gedicht thematisiert den Konflikt zwischen sinnlicher Liebe und religiöser Pflicht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
fleuch nicht mit nacketem Fuss Durch diese Dornen! fleuch nicht den frommen Amynt!
Metapher
Sieh her! ich eile zurück, und bänge den Raub An diesen Weydenbaum auf.
Personifikation
Kein wilder Satyr, Kein ungezähmter Cyklope dir nach.
Vergleich
Dich, schlankes, flüchtiges Reh, dich hab' ich erhascht!