Amors wohnung
unknownAmor, der allsigreiche got, von hochmut einmal überwunden, den göttern rühmet sich zu spot, daß ihm allein sie all verbunden.
Sie endlich, und billich, zumal ab dises kinds frechheit verdrossen, ihn haben aus des himmels saal verjaget und ganz ausgeschlossen.
Darauf er, folgend stracks dem glanz, in meiner Myrten augen kommen, da er aus so bequemer schanz ihm, sich zu rächen, fürgenommen.
Doch dises orts holdseligkeit hat ihn alsbald so sehr besessen, daß er bald der rachgirigkeit und aller götter gar vergessen.
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Interpretation
Das Gedicht "Amors Wohnung" von Georg Rodolf Weckherlin handelt von der Geschichte des Gottes Amor, der von den Göttern wegen seines Hochmuts aus dem Himmel verbannt wird. Nach seiner Verbannung findet Amor Zuflucht in den Augen einer Person, die als "meiner Myrten" bezeichnet wird. Dort plant Amor, sich an den Göttern zu rächen, doch die Güte dieses Ortes überwältigt ihn so sehr, dass er alle Rachegedanken und sogar die Götter selbst vergisst. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung von Amors Hochmut, der dazu führt, dass er von den Göttern verstoßen wird. Dies zeigt den Konflikt zwischen Amor und den Göttern, der durch Amors Überheblichkeit entsteht. Die Verbannung aus dem Himmel symbolisiert Amors Fall aus der Gunst der Götter und seinen Verlust an Macht und Ansehen. Die zweite Hälfte des Gedichts beschreibt Amors neues Zuhause in den Augen der Person, die als "meiner Myrten" bezeichnet wird. Hier plant Amor, sich an den Göttern zu rächen, doch die Güte dieses Ortes überwältigt ihn so sehr, dass er alle Rachegedanken und sogar die Götter selbst vergisst. Dies zeigt die transformative Kraft der Liebe und Güte, die selbst den einst stolzen Gott Amor demütigen und verändern kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- daß ihm allein sie all verbunden
- Bildsprache
- in meiner Myrten augen kommen
- Ironie
- daß er bald der rachgirigkeit und aller götter gar vergessen
- Kontrast
- doch dises orts holdseligkeit
- Metapher
- Amor, der allsigreiche got
- Personifikation
- von hochmut einmal überwunden
- Übertreibung
- daß ihm allein sie all verbunden