Amor und Venus
1719Amor pflückte Rosen In Cytherens Garten, Seinen goldnen Locken Einen Kranz zu flechten. Plötzlich stachen Dornen Seinen zarten Finger, Purpurrothe Tropfen Sieht er quellen; weinend Ruft er: »Mutter, Mutter! Deine bösen Rosen Stachen ihre Lanzen Hier in meinen Finger; Sieh’ doch, welche Wunde!«
Venus küßt den Finger Ihres lieben Amor; Plötzlich ist die Wunde Wieder heil geworden. »Mütterchen«, sagt Amor, »Deine bösen Rosen Mögen immer stechen!«
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Interpretation
Das Gedicht "Amor und Venus" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim erzählt eine kurze, aber bedeutungsvolle Geschichte aus der griechischen Mythologie. Es handelt von Amor, dem Gott der Liebe, der im Garten der Venus Rosen pflückt, um sich einen Kranz für seine goldnen Locken zu flechten. Dabei sticht er sich jedoch an den Dornen und weint vor Schmerz, ruft nach seiner Mutter Venus und beklagt die "bösen Rosen", die ihm eine Wunde zugefügt haben. Venus, die Göttin der Liebe und Schönheit, tröstet ihren Sohn, indem sie seinen verletzten Finger küsst. Durch ihre mütterliche Zuneigung und göttliche Kraft heilt sie die Wunde sofort. Nachdem die Schmerzen verschwunden sind, ändert Amor seine Meinung und sagt, dass die Rosen ruhig weiter stechen dürfen. Dies zeigt, dass er den Schmerz in Kauf nimmt, um die Schönheit der Rosen zu genießen. Das Gedicht kann als Metapher für die Liebe und ihre Höhen und Tiefen interpretiert werden. Die Rosen symbolisieren die Liebe, die zwar schön und begehrenswert ist, aber auch Schmerz und Verletzungen mit sich bringen kann. Venus' Kuss steht für die heilende Kraft der Liebe und die Unterstützung, die man in schwierigen Zeiten erfährt. Amors Aussage am Ende des Gedichts verdeutlicht, dass die Freude und Schönheit der Liebe den Schmerz wert sind und dass man bereit sein sollte, auch Rückschläge zu akzeptieren, um die Liebe in vollen Zügen zu genießen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Mutter, Mutter!
- Bildsprache
- Stachen ihre Lanzen Hier in meinen Finger
- Hyperbel
- Purpurrothe Tropfen Sieht er quellen
- Ironie
- Mütterchen, sagt Amor, Deine bösen Rosen Mögen immer stechen!
- Metapher
- Seinen goldnen Locken Einen Kranz zu flechten
- Personifikation
- Amor pflückte Rosen In Cytherens Garten
- Symbolik
- Rosen (Symbol für Liebe und Schmerz)