Amor ein Vogel
1803Sieh’, wie dort ein kleiner Vogel Auf dem Myrthenzweige sitzt, Lauschend in die Ferne siehet Und den Mund zum Pfeifen spitzt!
Denkt er Mädchen, deren Busen Nicht sein schärfster Pfeil durchdrang, Hier im Garten zu besiegen Mit harmonischem Gesang?
O, du holder kleiner Vogel, Meine Magdalis ist hier: Pfeif’ ein Liedchen, liebster Vogel, Und ihr Herz erpfeife mir!
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Interpretation
Das Gedicht "Amor ein Vogel" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim zeigt eine zarte und spielerische Liebessehnsucht, die sich in der Beobachtung eines kleinen Vogels auf einem Myrtenzweig manifestiert. Der Sprecher vergleicht den Vogel mit Amor, dem Gott der Liebe, und deutet an, dass dieser mit seinem Gesang die Herzen der Mädchen erobern könnte. Die Myrthe, ein Symbol für Liebe und Fruchtbarkeit, verstärkt die romantische Stimmung und die Verbindung zur Liebesthematik. Im zweiten Teil des Gedichts richtet sich der Sprecher direkt an den Vogel und bittet ihn, ein Lied zu pfeifen, um die Herzen der Mädchen zu gewinnen. Besonders erwähnt wird Magdalis, die vermutlich die Angebetete des Sprechers ist. Der Vogel wird als Bote der Liebe eingesetzt, der mit seiner Melodie das Herz der Geliebten erweichen soll. Die Bitte des Sprechers zeigt seine Hilflosigkeit und seinen Wunsch, auf indirektem Wege die Liebe zu erlangen. Die Verwendung des Vogels als Metapher für Amor und die Bitte, durch Gesang die Liebe zu erwecken, unterstreicht die romantische und etwas naive Natur des Gedichts. Gleim nutzt die Natur und ihre Geschöpfe, um die menschlichen Emotionen und Sehnsüchte zu veranschaulichen. Das Gedicht ist ein Beispiel für die empfindsamen und galanten Tendenzen der Aufklärungsliteratur, die sich durch eine feine, oft spielerische Darstellung von Liebe und Natur auszeichnet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Denkt er Mädchen, deren Busen / Nicht sein schärfster Pfeil durchdrang
- Apostrophe
- O, du holder kleiner Vogel
- Metapher
- Sieh’, wie dort ein kleiner Vogel / Auf dem Myrthenzweige sitzt
- Personifikation
- Lauschend in die Ferne siehet / Und den Mund zum Pfeifen spitzt
- Wunsch
- Pfeif’ ein Liedchen, liebster Vogel, / Und ihr Herz erpfeife mir