Ammen-Uhr

Achim von Arnim

1805

Der Mond, der scheint, Das Kindlein weint, Die Glock schlägt zwölf, Daß Gott doch allen Kranken helf!

Gott alles weiß, Das Mäuslein beißt, Die Glock schlägt Ein, Der Traum spielt auf dem Küssen dein.

Das Nönnchen läut Zur Mettenzeit, Die Glock schlägt zwei! Sie gehn ins Chor in einer Reih.

Der Wind, der weht, Der Hahn, der kräht, Die Glock schlägt drei, Der Fuhrmann hebt sich von der Streu.

Der Gaul, der scharrt, Die Stallthür knarrt, Die Glock schlägt vier, Der Kutscher siebt den Haber schier.

Die Schwalbe lacht, Die Sonn erwacht, Die Glock schlägt fünf, Der Wandrer macht sich auf die Strümpf.

Das Hun gagackt, Die Ente quackt, Die Glock schlägt sechs, Steh auf, steh auf du faule Hex.

Zum Becker lauf, Ein Wecklein kauf, Die Glock schlägt sieben, Die Milch thu an das Feuer schieben.

Thu Butter nein, Und Zucker fein, Die Glock schlägt acht, Geschwind dem Kind die Supp gebracht.

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Illustration zu Ammen-Uhr

Interpretation

Das Gedicht "Ammen-Uhr" von Achim von Arnim beschreibt die Stunden der Nacht und des frühen Morgens durch eine Reihe von Bildern und Geräuschen. Jede Stunde wird durch das Schlagen einer Glocke markiert, was den rhythmischen Aufbau des Gedichts bestimmt. Die nächtliche Stille wird durch verschiedene natürliche und menschliche Aktivitäten unterbrochen, die den Verlauf der Zeit illustrieren. Die erste Stunde, Mitternacht, wird von einem weinenden Kind und dem Schein des Mondes begleitet. Ein Gebet für die Kranken wird angestellt, was eine düstere und besorgte Stimmung erzeugt. Die zweite Stunde bringt das Knabbern einer Maus und das Spielen von Träumen, was auf die unruhige Natur des Schlafs hindeutet. Die dritte Stunde markiert den Beginn des Morgengrauens, während Nonnen zur Matutin in den Chor gehen. Die folgenden Stunden bringen eine zunehmende Aktivität mit sich. Der Wind weht, der Hahn kräht und ein Fuhrmann erhebt sich von seiner Streu. Ein Gaul scharrt, die Stalltür knarrt und ein Kutscher bereitet sich auf den Tag vor. Die Schwalbe lacht und die Sonne erwacht, während ein Wanderer sich auf den Weg macht. Die letzten Stunden bringen das Erwachen der Hühner und Enten, den Ruf an eine faule Hexe aufzustehen, den Gang zum Bäcker und schließlich die Zubereitung von Milch und Brei für das Kind. Das Gedicht endet mit der Aufforderung, dem Kind schnell die Suppe zu bringen, was den Übergang von der Nacht zum Tag und die Rückkehr zur Normalität symbolisiert. Die rhythmische Wiederholung des Glockenschlags und die lebendigen Bilder schaffen eine beruhigende und zugleich lebendige Atmosphäre, die den Verlauf der Nacht und den Beginn eines neuen Tages einfängt.

Schlüsselwörter

glock schlägt gott steh thu mond scheint kindlein

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Das Mäuslein beißt
Anapher
Die Glock schlägt
Hyperbel
Steh auf, steh auf du faule Hex
Imperativ
Geschwind dem Kind die Supp gebracht
Metapher
Gott alles weiß
Onomatopoesie
Das Hun gagackt
Personifikation
Der Mond, der scheint