Am Wege
1876Ein Dampferpfiff und ein Entenschrei und ein Hornstoß aus naher Kaserne. - Im Nebel wuchtet das Leben vorbei Laternen flimmern wie Sterne.
Im Dunkel haben sich zwei lieb, die ohne Heimatstätte. - Er ist der pfiffigste Taschendieb, sie wird eine freche Grisette.
Das ist das alte Babellied von den vom Lichter Verschmähten: Zu wenig geküsst und zu viel geglüht, und am Wege verdorben, zertreten.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Wege" von Margarete Beutler zeichnet ein düsteres Bild des städtischen Lebens. Es beginnt mit einer lebendigen Szene des Alltags, in der Geräusche und Bilder des Stadtlebens aufeinanderprallen. Der Dampferpfiff, der Entenschrei und der Hornstoß aus der Kaserne vermischen sich mit dem Nebel und den flimmernden Laternen, die wie Sterne erscheinen. Diese Einleitung schafft eine Atmosphäre der Anonymität und des Chaos, in der das Leben vorbeiwuchtet, ohne dass sich jemand dafür interessiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Geschichte zweier Menschen erzählt, die ohne Heimatstätte im Dunkeln Liebe finden. Er ist ein pfiffiger Taschendieb, sie eine freche Grisette. Ihre Beziehung ist geprägt von Verzweiflung und dem Überlebenskampf in einer Gesellschaft, die sie nicht akzeptiert. Das Gedicht deutet an, dass ihre Liebe eine Art Zuflucht in einer Welt ist, die ihnen keine andere Möglichkeit bietet. Der letzte Teil des Gedichts bezieht sich auf das "alte Babellied", das von den "vom Lichter Verschmähten" handelt. Dies ist eine Anspielung auf die biblische Geschichte von Babel, in der die Menschen durch ihre Hybris bestraft wurden. In diesem Kontext scheint das Gedicht zu suggerieren, dass die Gesellschaft diejenigen bestraft, die nicht in ihr Schema passen. Die Menschen, die "zu wenig geküsst und zu viel geglüht" haben, werden am Wege "verdorben, zertreten". Dies ist eine tragische Metapher für das Schicksal derer, die in der Gesellschaft scheitern und keine Chance auf Erlösung oder Rettung haben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ein Dampferpfiff und ein Entenschrei
- Bildsprache
- Und am Wege verdorben, zertreten
- Kontrast
- Das ist das alte Babellied von den vom Lichter Verschmähten
- Metapher
- Zu wenig geküsst und zu viel geglüht