Am Ufer
Ich schaute bang in die Wellenflut,
Auf der du fortgezogen,
Ich dachte dein — und mir war zu Mut
Wie den lautaufrauschenden Wogen.
Die stürzten wie Liebensboten heran,
Das war ein Blinken und Grüßen,
Ich sah es gleich den Wogen an –
Die rauschten zu deinen Füßen!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Am Ufer“ von Hermann Rollett drückt auf melancholische Weise die Trauer und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer abwesenden geliebten Person aus. Der Titel „Am Ufer“ deutet bereits auf eine Trennung hin, wobei das lyrische Ich am Ufer zurückbleibt, während die geliebte Person fortgezogen ist. Der erste Vers etabliert sofort die Stimmung der Bangigkeit und der Sorge, die durch die Beobachtung der Wellenflut verstärkt wird, in der sich die Erinnerung an die Geliebte spiegelt.
Die Wellen, die nun als Metapher für die Gefühle des lyrischen Ichs dienen, werden personifiziert und als „Liebensboten“ dargestellt. Sie scheinen die geliebte Person zu grüßen und von ihr zu erzählen. Dieser Wechsel von Trauer zu einer vermeintlichen Verbindung mit der Abwesenden durch die Wellen offenbart einen Zwiespalt der Emotionen: einerseits die schmerzliche Trennung, andererseits die Hoffnung auf eine indirekte Verbundenheit und das Bewusstsein, dass die geliebte Person ebenfalls von den Wellen umspült wird. Das „Blinken und Grüßen“ der Wellen deutet auf eine verklärte Erinnerung und eine idealisierte Vorstellung der Beziehung hin.
Die Natur wird somit zum Spiegel der Seele. Das Rauschen der Wellen wird mit den Füßen der geliebten Person in Verbindung gebracht. Diese Verbindung verdeutlicht die Allgegenwart der Erinnerung und das Unvermögen des lyrischen Ichs, die geliebte Person ganz loszulassen. Die Wellen, die am Ufer anschlagen, symbolisieren das ständige Wiederkehren der Gedanken und Gefühle, die das lyrische Ich an die verlorene Liebe binden. Die Metaphern der Wellen, des Blinkens und des Grüßens erzeugen eine atmosphärische, fast traumartige Stimmung, die die tiefe emotionale Betroffenheit des lyrischen Ichs unterstreicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rolletts Gedicht eine poetische und ergreifende Darstellung von Trennung, Sehnsucht und der Suche nach Trost in der Natur ist. Es fängt die widersprüchlichen Emotionen des lyrischen Ichs ein, das zwischen Trauer, Erinnerung und der Hoffnung auf eine indirekte Verbindung mit der verlorenen Liebe schwankt. Die Einfachheit der Sprache und die Verwendung natürlicher Bilder erzeugen eine universelle Botschaft, die die Leser in ihre eigene Erfahrung von Verlust und Sehnsucht eintauchen lässt.
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Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.