Am Strande
1897Am Strand, von Flocken Schaumes übertaut, Lieg′ ich gestreckt in duft′ges Heidekraut. Ich schaue, wie die Flut in Grün und Gold Und Purpur wechselnd mir zu Füßen rollt, Und mir ans Ohr tönt in der Wogen Schwall Geliebter Stimmen Widerhall.
Fern durch der schaumbekrönten Wellen Tanz, Was schimmert weiß im Mittagssonnenglanz? Ein Segel ist′s; und noch ein andres blinkt, Indes die Flut sich hebt und wieder sinkt. Sie nahn! sie nahn! Die Fahrt geht küstenwärts! Was klopfst du, ungestümes Herz?
Hoffnungen werden, die ich fast vergaß, Von neuem wach; was ich vordem besaß, Die Teuern all, die ich verlor, das Glück, Die erste Liebe, kehren sie zurück? - - Ach! in die Ferne schwinden, sichtbar kaum, Die Segel hin am Himmelssaum.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Strande" von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt die Erlebnisse eines Menschen, der am Strand liegt und die Wellen betrachtet. Die erste Strophe schildert die Ruhe und Entspannung, die der Sprecher am Strand empfindet, während er das Spiel der Wellen und das Echo geliebter Stimmen hört. Die zweite Strophe führt eine Wendung ein, als der Sprecher in der Ferne weiße Segel erblickt, die sich dem Ufer nähern. Die dritte Strophe zeigt die Hoffnung des Sprechers, dass die Segel seine verlorenen Lieben und sein verlorenes Glück zurückbringen könnten, aber am Ende der Strophe wird diese Hoffnung enttäuscht, da die Segel in der Ferne verschwinden. Das Gedicht ist in drei Strophen mit jeweils sechs Versen gegliedert und folgt einem regelmäßigen Reimschema. Die Sprache ist bildhaft und sinnlich, mit vielen Farbadjektiven wie "Grün", "Gold" und "Purpur". Die Wellen werden als "duftges Heidekraut" und "schaumbekrönte Wellen" beschrieben, was eine natürliche und friedliche Atmosphäre schafft. Die Verwendung von Wiederholungen wie "sie nahn! sie nahn!" und "Hoffnungen werden, die ich fast vergaß" verstärkt die emotionale Intensität des Gedichts. Das Gedicht kann als eine Reflexion über die Vergänglichkeit und Unerreichbarkeit von Glück und Liebe interpretiert werden. Der Sprecher scheint in der Vergangenheit etwas Wertvolles verloren zu haben, das er gerne zurückgewinnen würde. Die Segel symbolisieren seine Hoffnung und Sehnsucht, aber auch seine Frustration und Enttäuschung. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und Melancholie, da der Sprecher akzeptiert, dass seine Wünsche unerfüllt bleiben werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schaumbekrönten Wellen
- Anapher
- Sie nahn! sie nahn!
- Bildsprache
- sichtbar kaum, Die Segel hin am Himmelssaum
- Hyperbel
- Hoffnungen werden, die ich fast vergaß
- Metapher
- kehren sie zurück?
- Personifikation
- Ach! in die Ferne schwinden
- Rhetorische Frage
- Was klopfst du, ungestümes Herz?