Am Scheideweg
1812Ich wollt dir die Stirn küssen und dir sagen: hab Dank! Aber da war ein Licht in deinen Augen wie Morgenglut auf unerklommenen Bergwäldern; und dem haben wir folgen müssen, schweigend.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Scheideweg" von Richard Dehmel beschreibt einen Moment der Zögerlichkeit und des inneren Konflikts. Der Sprecher möchte der angesprochenen Person Dankbarkeit ausdrücken, indem er ihr die Stirn küsst und ihr "hab Dank" sagt. Doch dieser Wunsch wird durch einen intensiven, beinahe überwältigenden Blick in den Augen der Person unterbrochen. Das Licht in ihren Augen wird mit der Morgenglut auf unerklommenen Bergwäldern verglichen, was eine tiefe, unberührte und vielleicht sogar geheimnisvolle Schönheit suggeriert. Dieses Bild vermittelt eine starke emotionale Anziehungskraft, die den Sprecher und die angesprochene Person in ihren Bann zieht. Der Blick in den Augen der Person wird als etwas dargestellt, dem beide folgen müssen, obwohl sie dabei schweigen. Dies impliziert, dass der Moment eine unausgesprochene, aber kraftvolle Verbindung zwischen den beiden Personen schafft. Die Stille, die dabei herrscht, verstärkt die Intensität des Augenblicks und deutet auf eine tiefe, möglicherweise unerklärliche Verbundenheit hin. Der Sprecher scheint bereit zu sein, diesem inneren Impuls zu folgen, auch wenn er dabei auf den ursprünglichen Wunsch, Dankbarkeit auszudrücken, verzichtet. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Hingabe und des Loslassens. Der Sprecher lässt den ursprünglichen Plan, Dank auszusprechen, fallen, um stattdessen dem emotionalen Sog des Moments zu folgen. Die Metapher des Lichts in den Augen als Morgenglut auf unerklommenen Bergwäldern symbolisiert eine Art Erleuchtung oder Erkenntnis, die den Weg weist. Das Gedicht endet mit der Entscheidung, diesem Weg zu folgen, was eine tiefe Akzeptanz und Offenheit für das Unbekannte ausdrückt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- ein Licht in deinen Augen
- Personifikation
- dem haben wir folgen müssen
- Vergleich
- wie Morgenglut auf unerklommenen Bergwäldern