Am Rheine
1877Abend sinkt mit seinem Frieden Auf die Berge, in das Thal - Holdes Bild! das mir beschieden Ist, im letzten Tagesstrahl!
An den blauen, duft′gen Höhen Dehnt sich glühend dort im West - Eines Grußes letztes Wehen - Noch des Abendgoldes Rest.
Und des Stromes glatte Bahnen Kaum die Welle mehr bewegt, Läßt die ew′ge Macht nur ahnen, Die ihn rastlos weiter trägt!
An des Himmels fernsten Räumen Selbst die Wolke zögert still, Harrend, ob mit goldnen Säumen Sie das Mondlicht kränzen will.
Friede! süßes Glück von Oben! Welch′ ein Zauber dich umflicht! Hemmst des Stromes wildes Toben, Bannst in Ruhe Luft und Licht.
Und mein Herz, es wird so milde, Wird so stille, wie noch nie, Fühlt sich mit dem sanften Bilde Ganz in reinster Harmonie.
Wenn so jeder Wunsch kann schweigen, In der Brust, die menschlich fühlt, Jede Sehnsucht muß erbleichen Von der Ruhe Glück umspielt.
Darf nur einen Wunsch entbieten Noch des reichen Herzens Schlag: Daß es stets in gleichem Frieden Solch ein Bild genießen mag!
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Interpretation
Das Gedicht "Am Rheine" von Luise Büchner beschreibt die friedvolle Abendstimmung am Rhein. Die Dichterin schildert den Sonnenuntergang mit seinen warmen Farben, die sich auf die Landschaft legen. Der Fluss fließt ruhig dahin, fast wie erstarrt in der Stille des Abends. Auch der Himmel scheint innezuhalten, die Wolken harren des Mondes. Diese idyllische Szenerie versetzt die lyrische Ich in einen Zustand inneren Friedens und Glücks. Ihr Herz wird sanft und still, fühlt sich mit dem harmonischen Bild eins. Alle Wünsche und Sehnsüchte verlieren an Bedeutung angesichts dieser vollkommenen Ruhe. Nur ein einziger Wunsch bleibt: dass sie diesen Anblick immer wieder in solcher Gelassenheit genießen möge. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit der Dichterin mit der Natur. Die Abendstimmung am Rhein berührt sie zutiefst und versetzt sie in einen meditativen Zustand. Die äußere Stille findet ihr Pendant in der inneren Ruhe und Harmonie. Die Natur wird zum Spiegel der Seele.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- blauen, duft'gen Höhen
- Metapher
- Reichen Herzens Schlag
- Personifikation
- Bannst in Ruhe Luft und Licht