Am Parnaß

Adolf Friedrich Graf von Schack

1897

Noch lebst du, schöner Gott des Lichts! Ob auch Dein letzter Tempel längst zerfallen Und nie mehr bei der Lyderflöten Hauch In Delphi fromme Chöre schallen: Noh flammen Hellas′ Felshöhn dir, Apoll, Bei jedem Frührot als Altäre, Noch donnern bei Korinth mit Flutgeroll Den Hymnus dir die beiden Meere.

Und wem, von höherm Drang entflammt, das Herz Hinausstrebt aus der Zeiten Enge Zu dir, so wie die Blume sonnenwärts, O König ewiger Gesänge, Das Antlitz wendet er; nach Griechenland Führst du ihn heim in wachen Träumen Und lässest ihm am Munde, voll zum Rand Der Dichtung Götterbecher schäumen.

Nicht drängen Blätter sich im Wald so dicht, Die vom Geäst der Herbstwind wehte, Wie drunten, Trümmerschicht auf Trümmerschicht, Verschollene Hellenenstädte; Hinweggeschwemmt hat der Barbaren Flut Das Volk der Griechen von der Erde; Ein neu Geschlecht entfacht die Opferglut Auf eines neuen Gottes Herde.

Doch wenn mein Blick vom Hange des Parnaß Dahinschweift längs der Felsen Fuße, Wo hier und da aus Schutt von Tempeln blaß Aufragt ein hagres Bild der Buße, Oft fernher hör′ ich deiner Leier Klang, Und hell beginnt die Luft zu strahlen; Du nahst! Ambrosisch Duften quillt beim Gang Von deinen goldenen Sandalen.

Und fortgenommen von Gebirg und Flur Ist der Verödung Fluch, und wieder, Von dumpfem Alpdruck frei, schlägt die Natur Empor die schweren Augenlider, Und Tempeldächer blicken marmorweiß Durch Lorbeerwipfel und Platanen, Und durch die Zweige hin rauscht dir zum Preis Der Schall von festlichen Päanen.

So, mag ein neuer Gotensturm Ruin Der Welt von heute auch bereiten, Lächelnd, in ew′ger Jugend hin durch ihn, Gott des Gesanges, wirst du schreiten; Wie Strahlen schon vor Morgen nach und nach Mit Licht der Berge Haupt verklären, Spielt um die Stirne dir der junge Tag, Wo wieder dich die Menschen ehren.

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Illustration zu Am Parnaß

Interpretation

Das Gedicht "Am Parnass" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist eine Ode an den griechischen Gott Apoll, den Gott des Lichts und der Dichtung. Der Dichter beschwört den Gott, der trotz des Verfalls seiner Tempel und der vergangenen Zeit immer noch in der Natur und in den Herzen der Menschen präsent ist. Er beschreibt, wie Apoll diejenigen, die von höherem Drang entflammt sind, nach Griechenland führt und ihnen den Becher der Dichtung anbietet. Das Gedicht thematisiert auch den Untergang der griechischen Zivilisation und den Aufstieg einer neuen Religion, aber der Dichter glaubt, dass Apoll durch seine Musik und seinen Einfluss auf die Natur weiterhin verehrt wird. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass Apoll auch in Zukunft unversehrt durch die Zeiten schreiten wird, um von den Menschen geehrt zu werden. Das Gedicht ist eine Lobpreisung des griechischen Gottes Apoll und seiner anhaltenden Präsenz in der Natur und in den Herzen der Menschen. Der Dichter beschreibt, wie Apoll trotz des Verfalls seiner Tempel und der vergangenen Zeit immer noch in der Natur präsent ist und diejenigen, die von höherem Drang entflammt sind, nach Griechenland führt. Das Gedicht thematisiert auch den Untergang der griechischen Zivilisation und den Aufstieg einer neuen Religion, aber der Dichter glaubt, dass Apoll durch seine Musik und seinen Einfluss auf die Natur weiterhin verehrt wird. Das Gedicht endet mit der Hoffnung, dass Apoll auch in Zukunft unversehrt durch die Zeiten schreiten wird, um von den Menschen geehrt zu werden.

Schlüsselwörter

gott trümmerschicht strahlen hin lebst schöner lichts letzter

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
von höherm Drang entflammt
Anapher
Noch flammen Hellas′ Felshöhn dir, Apoll, / Noch donnern bei Korinth mit Flutgeroll
Hyperbel
Nicht drängen Blätter sich im Wald so dicht
Metapher
die Menschen ehren
Personifikation
Noch lebst du, schöner Gott des Lichts!
Symbolik
Dein letzter Tempel längst zerfallen