Am Morgen
1843Wenn du vom nächt′gen Schlaf erwacht, Wird dir die Frage frommen: Welch sprungbereiten Unglücks Macht Kann über mich heut kommen? – Um, wenn es wirklich dich beschlich, Nicht kraftlos zu verzagen, Sieh′ früh dich vor und rüste dich, Das Aergste zu ertragen.
Dann aber geh′ mit festem Sinn Auch an die zweite Frage: Was wird an heiter′m Lustgewinn Mir wohl am heut′gen Tage? – So übe dich in tiefer Brust, Bei allem Schicksalstreiben, Beim Wechselspiel von Schmerz und Lust Dir stets getreu zu bleiben.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Morgen" von Betty Paoli ist ein nachdenkliches Werk, das sich mit der Unsicherheit und den Herausforderungen des Lebens auseinandersetzt. Es ermutigt den Leser, sich auf mögliche Schwierigkeiten vorzubereiten, ohne dabei die Hoffnung auf positive Erfahrungen zu verlieren. Die erste Strophe des Gedichts thematisiert die Frage nach möglichen Unglücksfällen, die den Tag begleiten könnten. Die Autorin rät dazu, sich frühzeitig darauf vorzubereiten und stark zu bleiben, um nicht kraftlos zu verzweifeln. Diese Aufforderung zur mentalen Stärke und Vorbereitung auf Widrigkeiten ist ein zentrales Motiv des Gedichts. In der zweiten Strophe lenkt Paoli den Fokus auf die positive Seite des Lebens. Sie regt den Leser an, sich ebenfalls mit der Frage nach möglichen Freuden und Lustgewinnen des Tages auseinanderzusetzen. Dieser Perspektivwechsel zeigt, dass das Leben sowohl Höhen als auch Tiefen bereithält und dass es wichtig ist, sich auf beides einzustellen. Die letzte Zeile des Gedichts bringt die übergeordnete Botschaft zum Ausdruck: "Dir stets getreu zu bleiben". Dies deutet darauf hin, dass es im Leben darauf ankommt, bei allem Wechsel von Glück und Leid bei sich selbst zu bleiben und seine Integrität zu bewahren. Das Gedicht vermittelt somit eine ausgewogene Sicht auf das Leben, die sowohl realistische Vorsicht als auch optimistische Hoffnung einschließt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Imperativ
- Sieh' früh dich vor und rüste dich, Das Aergste zu ertragen
- Kontrast
- Beim Wechselspiel von Schmerz und Lust
- Metapher
- Bei allem Schicksalstreiben
- Parallelismus
- Dann aber geh' mit festem Sinn Auch an die zweite Frage: Was wird an heiter'm Lustgewinn Mir wohl am heut'gen Tage?
- Rhetorische Frage
- Wenn du vom nächt'gen Schlaf erwacht, Wird dir die Frage frommen: Welch sprungbereiten Unglücks Macht Kann über mich heut kommen?