Am Morgen

Friedrich Adler

1900

Trüb der Morgen und kalt. Ueber die Wiesen schweifen Feuchte Nebelstreifen; Auf den Bergen ringsum Liegen Wolken geballt, Grau und stumm. Mühsam Gegen die dunklen Schatten, Halb wagend, Halb zagend, Sendet Sonne den matten, Bebenden Strahl. Nieder in′s Thal Röthlich bricht Hier und dort unsicheres Licht … muß die herrlichste Gluth, Die hehrste Feindin irdischer Fehle:

Muth, Muth, Arme ringende Menschenseele!

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Illustration zu Am Morgen

Interpretation

Das Gedicht "Am Morgen" von Friedrich Adler schildert eine düstere, kalte Morgendämmerung, in der sich feuchte Nebel über die Wiesen ziehen und Wolken sich auf den Bergen ballen. Die Atmosphäre ist gedrückt, grau und stumm, während die Sonne mühsam ihre matten, bebenden Strahlen gegen die dunklen Schatten sendet. Das unsichere, rötliche Licht bricht hier und da ins Tal, doch es scheint, als müsste die herrlichste Glut, die hehrste Feindin irdischer Fehle, den Menschenseelen Mut zusprechen. Die poetische Sprache und die eindringlichen Bilder erzeugen eine Stimmung der Unsicherheit und des Zögerns. Die Natur wird als Spiegelbild der menschlichen Seele dargestellt, die sich mühsam aus der Dunkelheit und den Zweifeln befreien muss. Die Sonne, als Symbol für Hoffnung und Erleuchtung, sendet zwar ihre Strahlen, doch diese sind noch matt und zögernd, was die Schwierigkeit des Prozesses verdeutlicht. Das Gedicht endet mit einem Appell an den Mut, der als "herrlichste Glut" und "hehrste Feindin irdischer Fehle" bezeichnet wird. Es scheint, als wolle der Dichter den Menschenseelen Mut zusprechen und sie ermutigen, sich gegen die Zweifel und Schatten zu stemmen. Die Wiederholung des Wortes "Muth" am Ende des Gedichts unterstreicht die Bedeutung dieses Appells und lässt den Leser mit einem Gefühl der Hoffnung und des Aufbruchs zurück.

Schlüsselwörter

halb muth trüb morgen kalt ueber wiesen schweifen

Wortwolke

Wortwolke zu Am Morgen

Stilmittel

Bildsprache
Sendet Sonne den matten, Bebenden Strahl
Gegenüberstellung
Halb wagend, Halb zagend
Metapher
muß die herrlichste Gluth, Die hehrste Feindin irdischer Fehle: Muth, Muth, Arme ringende Menschenseele!
Personifikation
Ueber die Wiesen schweifen Feuchte Nebelstreifen