Am Moor (2.Fassung)

Georg Trakl

1912

Mantel im schwarzen Wind. Leise flüstert das dürre Rohr In der Stille des Moors; am grauen Himmel Ein Zug von wilden Vögeln folgt; Quere über finsteren Wassern.

Knöchern gleiten die Hände durch kahle Birken, Knickt der Schritt in braunes Gehölz, Wo zu sterben ein einsames Tier wohnt.

Aufruhr. In verfallener Hütte Flattert mit schwarzen Flügeln ein gefallener Engel, Schatten der Wolke; und der Wahnsinn des Baums;

Schrei der Elster. Altes Weiblein kreuzt den Weg Ins Dorf. Unter schwarzem Geäst O was bannt mit Fluch und Feuer den Schritt Stummes Glockengeläut; Nähe des Schnees.

Sturm. Der dunkle Geist der Fäulnis im Moor Und die Schwermut grasender Herden. Schweigend jagt Den Himmel mit zerbrochnen Masten die Nacht.

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Illustration zu Am Moor (2.Fassung)

Interpretation

Das Gedicht "Am Moor" von Georg Trakl ist eine düstere und mystische Landschaftsbeschreibung, die eine Atmosphäre der Einsamkeit und des Verfalls schafft. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Szenerie des Moores mit schwarzem Wind, trockenem Rohr und einem Zug wilder Vögel, die über finstere Gewässer ziehen. Die Natur wird als kahl und karg dargestellt, was eine Stimmung der Verlassenheit und des Todes erzeugt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Einsamkeit und der Verfall noch verstärkt. Die knöchernen Hände, die durch kahle Birken gleiten, und der Schritt, der im braunen Gehölz knickt, vermitteln ein Gefühl von Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit. Das einsame Tier, das in diesem braunen Gehölz lebt, verstärkt das Bild der Isolation und des Todes. Der dritte Teil des Gedichts führt den Leser in eine verfallene Hütte, in der ein gefallener Engel mit schwarzen Flügeln flattert. Dieses Bild erzeugt eine unheimliche und düstere Atmosphäre, die durch den Wahnsinn des Baums und den Schrei der Elster verstärkt wird. Die alte Frau, die den Weg ins Dorf kreuzt, und das Glockengeläut, das den Schritt bannt, tragen zur geheimnisvollen und bedrohlichen Stimmung bei. Im letzten Teil des Gedichts wird die Dunkelheit und der Verfall durch den Sturm und den dunklen Geist der Fäulnis im Moor verstärkt. Die Schwermut der grasenden Herden und die Nacht, die den Himmel mit zerbrochenen Masten jagt, lassen das Gedicht in einer tiefen, unheilvollen Dunkelheit enden. Die gesamte Stimmung des Gedichts ist von Einsamkeit, Verfall und dem unausweichlichen Tod geprägt.

Schlüsselwörter

schwarzen himmel schritt mantel wind leise flüstert dürre

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Stilmittel

Alliteration
schwarzem Geäst
Metapher
zerschrochnen Masten
Personifikation
der dunkle Geist der Fäulnis im Moor