Am Luganer See

Klabund

1890

Durchs Fenster strömt der See zu mir herein, Der Himmel auch mit seinem Mondenschein. Die Wogen ziehen über mir dahin, Ich träume, daß ich längst gestorben bin. Ich liege auf dem Grunde alles Seins Und bin mit Kiesel, Hecht und Muschel eins.

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Interpretation

Das Gedicht "Am Luganer See" von Klabund beschreibt eine intensive Verschmelzung des lyrischen Ichs mit der Natur. Die Umgebung des Sees und des Himmels strömt förmlich in den Raum des Ichs, was eine Auflösung der Grenzen zwischen Innen und Außen suggeriert. Der Mondenschein und die Wogen tragen zu einer traumhaften, fast surrealen Atmosphäre bei. In der zweiten Strophe vertieft sich das Gefühl der Auflösung. Das Ich träumt, bereits gestorben zu sein, was eine metaphorische Hinwendung zur Natur als Endzustand des Seins andeutet. Die Vorstellung, auf dem Grund des Seins zu liegen und eins mit Kiesel, Hecht und Muschel zu sein, symbolisiert eine vollkommene Einheit mit der natürlichen Welt. Diese Vereinigung wird als friedvoll und erfüllend dargestellt. Das Gedicht vermittelt eine romantische Sehnsucht nach der Verschmelzung mit der Natur, die als ein Zustand des ewigen Seins und der Ruhe verstanden wird. Die Sprache ist einfach, aber eindringlich, und die Bilder sind klar und kraftvoll. Die Verwendung von Naturbildern und die Idee des Todes als Rückkehr zur Natur sind typisch für die Literatur der Moderne, in der oft nach neuen Wegen der Selbstvergewisserung und des Trostes gesucht wurde.

Schlüsselwörter

durchs fenster strömt see herein himmel mondenschein wogen

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Stilmittel

Metapher
bin mit Kiesel, Hecht und Muschel eins
Personifikation
Der Himmel auch mit seinem Mondenschein