Am liebsten bey der Liebsten

Sibylla Schwarz

1621

Zu Upatell / auff der Insel Riga / gemacht.

Schawt doch / wie lustig Leben das auff den Dörffern ist? Ich will die Stadt wohl geben dem / der sie außerkießt. Schawt / wie die Bluhmen stehen / wie lieblich sie doch sind / und fast im Haus auffgehen / schawt / wie man Obst hier findt. Hört / hört doch einmahl singen die lieben Vögelein / last ewre Laut erklingen / und stimmet mit ihn ein. Fühlt ihr der Sonnen Strahlen in ewern Häusern nicht? hier läst sie auff uns fallen fast doppelt heisses Licht. Schmeckt kecklich diese Früchte / die hier beyn Bauren seyn etc. Seht / wie die Kühe weiden! und auch der Schaffen Schar / ich will die Stadt wohl meiden / so bin ich auß Gefahr. So schreckt mich die Posaune / das Spiel der Schwerdter nicht / die grausame Kartaune kompt nie mir ins Gesicht. Ja / alles was ich finde in Dörffern weit und breit / der Hirsch / das Schaff / das Rinde / der Wälder Zierligkeit / Das ist weit vohrzuziehen den Sachen in der Stadt / da man sich muß bemühen und wirds doch niemahl satt. Was sag ich? Nach dem allen frag ich nicht sonders vihl; mir soll die Stadt gefallen / dieweil ich gerne will Die Lust im Grünen lassen / mein Lieb / mein eigen Ich ist hier nicht ümbzufassen / die ich lieb inniglich. Ist hier auff grühner Awen / und bey der Schaffen Schaar kein einig mahl zu schawen / drümb hat eß hier Gefahr. Ich will die Stadt nicht meiden / Ich hab sie außerkiest; kanst du dein Lieb nicht leiden / so sey nicht / wo sie ist.

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Illustration zu Am liebsten bey der Liebsten

Interpretation

Das Gedicht "Am liebsten bey der Liebsten" von Sibylla Schwarz thematisiert die Vorliebe des lyrischen Ichs für das ländliche Leben gegenüber der Stadt. Das Gedicht ist in der Insel Riga angesiedelt und beschreibt die Schönheit und den Charme des Landlebens. Das lyrische Ich preist die Freuden des Landlebens, wie die blühenden Blumen, das frische Obst und das Singen der Vögel. Es betont die Nähe zur Natur und die Abwesenheit von Lärm und Gefahr, die in der Stadt herrschen. Die Sonne scheint heller und das Leben ist einfacher und friedlicher auf dem Land. Das lyrische Ich erklärt, dass es die Stadt nicht meiden will, sondern sie bewusst gewählt hat, da es seine Liebe nicht ertragen kann, wenn sie nicht in seiner Nähe ist. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass das lyrische Ich nur in der Stadt sein will, wo seine Liebe ist, und dass es keinen Sinn hat, woanders zu sein, wenn die Liebe nicht da ist.

Schlüsselwörter

stadt auff will schawt lieb dörffern fast hört

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Stilmittel

Alliteration
der Hirsch, das Schaff, das Rinde
Anapher
Schawt doch / wie lustig Leben / das auff den Dörffern ist?
Hyperbel
fast doppelt heisses Licht
Kontrast
Ich will die Stadt nicht meiden / Ich hab sie außerkiest
Metapher
der Sonnen Strahlen
Personifikation
die grausame Kartaune
Wiederholung
Schawt / wie die Bluhmen stehen / wie lieblich sie doch sind