Am Kongo
1848Sultanen, zaudert nicht! es gilt ein Fest zu feiern! Berauscht mit Palmwein euch aus halben Straußeneiern! Schmückt euch, wie jenen Tag, an dem des Harems Thor Sich vor euch öffnete! entfaltet eure besten Gewande! kleidet euch, wie sonst bei hohen Festen! Ein großes Glück steht euch bevor.
Die Menge draußen jauchzt, und die Batuken schallen. Vom vollen Nacken laßt den falt′gen Scharlach wallen! Hängt die Korallen um, aus denen Feuer sprüht! Die rothe Erde nehmt, die Wangen zu bestreichen! Laßt euer Angesicht dem Morgenhimmel gleichen, Wenn er in dunkler Röthe glüht!
Singt euer froh′stes Lied! Tanzt durch die Palastthüren In das Gewühl hinaus! zum Strome laßt euch führen, Wo um den König sich gelagert hat das Heer. Er ist zurückgekehrt aus seinen Wüstenschlachten, Ihr seufztet oft nach ihm; gestillt wird euer Schmachten! Fortan verläßt er euch nicht mehr!
Ihr seid beneidenswerth! zu allen Tageszeiten Wird er jetzt bei euch sein; er braucht nicht mehr zu streiten; Das ganze Land ist sein, bis wo der Kongo quillt. Nichts liegt ihm fürder ob, als unter euch zu weilen; Für immer wird er jetzt mit euch das Lager theilen - Dort liegt er auf dem Kupferschild!
Fahrt nicht zurück! er ist′s, der Wildeste der Dschaggas! Wohl gleicht sein Mantel jetzt dem streif′gen Fell des Quagga′s; Blutstreifen zieren ihn! wohl ist sein Auge starr! Wohl ist sein Arm gelähmt, der uns den Sieg erfochten! Wohl stehn die Pulse still, die einst so feurig pochten Bei Tamtamklang und Hufgescharr!
Er hat den Sieg erkauft mit seinem eignen Blute; Kein Geriot, kein Grisgi und keine Zauberruthe Erweckt ihn; durch dies Grab will er von hinnen ziehn In das glücksel′ge Land, wo die Gestorbnen wohnen; Wo statt des Thaues Blut auf Gras und Blumenkronen Glänzt; - Heil euch, ihr begleitet ihn!
Wohl zög′ er zürnend noch empor die finstern Brauen, Fänd′ er im Grabe nicht die dreimal fünfzig Frauen, Die lebend er umarmt! - wir senden euch ihm nach! Seht, wie sein Auge zuckt! mit grünen Palmenzweigen Bedeckt den Harrenden! tanzt, und im wirrsten Reigen Empfangt Schwertstreich und Keulenschlag!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Am Kongo" von Ferdinand Freiligrath ist ein dramatisches und düsteres Werk, das die Trauer und den Kult um einen verstorbenen König in Afrika thematisiert. Der Sultan und sein Gefolge bereiten sich auf ein großes Fest vor, um den König zu ehren, der aus seinen Wüstenschlachten zurückgekehrt ist. Die Menge jubelt, und die Batuken, eine Art Trommel, erklingen. Die Menschen schmücken sich mit roten Gewändern und Korallen, um den Morgenhimmel zu imitieren, der in dunkler Röte glüht. Sie singen und tanzen, um den König zu begrüßen, der nun für immer bei ihnen bleiben wird. Doch die Freude währt nicht lange, denn der König ist tot. Er hat den Sieg in den Schlachten mit seinem eigenen Blut erkauft. Die Menschen erkennen, dass er nicht mehr lebt, und bereiten sich darauf vor, ihn in das glückselige Land der Verstorbenen zu begleiten. Der König wird auf einem Kupferschild getragen, und die dreimal fünfzig Frauen, die er zu Lebzeiten umarmt hat, werden ihm ins Grab folgen. Die Menschen tanzen im wirrsten Reigen, um den König zu empfangen, und akzeptieren die Schläge von Schwert und Keule als Teil des Rituals. Das Gedicht ist eine eindringliche Darstellung der afrikanischen Kultur und ihrer Vorstellungen vom Tod und dem Jenseits. Freiligrath verwendet lebendige Bilder und Metaphern, um die Emotionen und die Atmosphäre des Gedichts zu vermitteln. Die Sprache ist kraftvoll und dramatisch, und die Struktur des Gedichts spiegelt die verschiedenen Phasen der Trauer und des Abschieds wider.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Singt euer froh'stes Lied! Tanzt durch die Palastthüren
- Anapher
- Sultanen, zaudert nicht! es gilt ein Fest zu feiern!
- Hyperbel
- Drei mal fünfzig Frauen
- Metapher
- Blutstreifen zieren ihn
- Personifikation
- Wohl stehn die Pulse still, die einst so feurig pochten
- Symbolik
- Kupferschild als Symbol für Tod und Opfer
- Vergleich
- Sein Auge gleicht dem Morgenhimmel, wenn er in dunkler Röthe glüht