Am Kamin

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Stürme, Dezember, vor meinem Gemach, Hänge Zapfen von Eis an das Dach; Nichts doch weiß ich vom Froste; Hier am wärmenden, trauten Kamin Ist mir, als ob des Frühlings Grün Rings um mich rankte und sproßte.

All das Gezweig, wie es flackert und flammt, Plaudert vom Walde, dem es entstammt, Redet von seligen Tagen, Als es, durchfächelt von Sommerluft, Knospen und Blüten voll Glanz und Duft, Grünende Blätter getragen.

Fernher hallenden Waldhornklang Glaub′ ich zu hören, Drosselgesang, Sprudelnder Quellen Schäumen, Tropfenden Regen durchs Laubgeäst, Der die brütenden Vögel im Nest Weckt aus den Mittagsträumen.

Stürme denn, Winter, eisig und kalt! An den Kamin herzaubert den Wald Mir der Flammen Geknister, Bis ich bei Frühlingssonnenschein Wieder im goldgrün schimmernden Hain Lausche dem Elfengeflüster.

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Illustration zu Am Kamin

Interpretation

Das Gedicht "Am Kamin" von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt die Sehnsucht nach dem Frühling während der kalten Wintermonate. Der Erzähler sitzt am warmen Kamin und lässt sich von den Flammen in eine sommerliche Waldlandschaft versetzen. Trotz des stürmischen Dezembers und der eisigen Temperaturen fühlt er sich durch die wärmende Glut des Feuers so, als ob ihn das Grün des Frühlings umgäbe. Die Holzscheite im Kamin erzählen vom Wald, aus dem sie stammen, und von den glücklichen Tagen, als sie im Sommer von der warmen Luft durchfächelt, Knospen, Blüten und grüne Blätter trugen. Der Erzähler glaubt, die Klänge des Waldes zu hören - den Gesang der Drossel, das Plätschern sprudelnder Quellen und das Tropfen des Regens durch das Laubdach, der brütende Vögel aus ihren Mittagsträumen weckt. Der Erzähler fordert den Winter auf, mit seinen eisigen Stürmen hereinzubrechen, denn der Kamin verzaubert ihm den Wald durch das Knistern der Flammen. Er sehnt sich danach, bei Frühlingssonnenschein wieder im goldgrün schimmernden Hain dem Flüstern der Elfen lauschen zu können. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit zur Natur und den Jahreszeiten sowie die Kraft der Fantasie, sich durch die Imagination an einen anderen Ort zu versetzen.

Schlüsselwörter

stürme kamin dezember gemach hänge zapfen eis dach

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Stilmittel

Alliteration
Wie es flackert und flammt
Anapher
All das Gezweig, wie es flackert und flammt, Plaudert vom Walde, dem es entstammt, Redet von seligen Tagen
Personifikation
Die brütenden Vögel im Nest Wacht aus den Mittagsträumen
Synästhesie
Goldgrün schimmernden Hain
Vergleich
Ist mir, als ob des Frühlings Grün Rings um mich rankte und sproßte