Am Himmelstor

Conrad Ferdinand Meyer

1825

Mir träumt′, ich komm ans Himmelstor Und finde dich, die Süsse! Du sassest bei dem Quell davor Und wuschest dir die Füsse.

Du wuschest, wuschest ohne Rast Den blendend weissen Schimmer, Begannst mit wunderlicher Hast Dein Werk von neuem immer.

Ich frug: “Was badest du dich hier Mit tränennassen Wangen?” Du sprachst: “Weil ich im Staub mit dir, So tief im Staub gegangen.”

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Illustration zu Am Himmelstor

Interpretation

Das Gedicht "Am Himmelstor" von Conrad Ferdinand Meyer handelt von einem Traum, in dem der Sprecher am Himmelstor auf eine geliebte Person trifft. Diese sitzt am Quell vor dem Tor und wäscht sich unermüdlich die Füße, was den Sprecher neugierig macht. Die wiederholte Handlung des Waschens, beschrieben als "wuschest, wuschest ohne Rast", deutet auf eine zwanghafte oder rituelle Reinigung hin. Der "blenden­de weisse Schimmer" der Füße könnte Reinheit oder Unschuld symbolisieren, die durch das ständige Waschen erhalten werden soll. Die Frage des Sprechers nach dem Grund für das Waschen mit "tränennassen Wangen" offenbart, dass die geliebte Person aus Trauer oder Reue handelt. Die Antwort, dass sie "im Staub mit dir, so tief im Staub gegangen" sei, impliziert, dass beide gemeinsam sündigten oder in Ungnade fielen. Das Waschen der Füße wird somit zu einem symbolischen Akt der Reinigung von Schuld oder Sünde, den die geliebte Person am Himmelstor vollführt, um sich auf den Eintritt ins Paradies vorzubereiten.

Schlüsselwörter

wuschest staub träumt komm ans himmelstor finde süsse

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Stilmittel

Alliteration
blendend weisser Schimmer
Hyperbel
wunderlicher Hast
Metapher
Am Himmelstor
Personifikation
Du sassest bei dem Quell davor
Rhetorische Frage
Was badest du dich hier
Symbolik
tränennassen Wangen
Wiederholung
wuschest, wuschest ohne Rast