Am Grabe Conradins
1897Du Staufe, dem zum Throne Ein Blutgerüst verliehn, Der statt der Kaiserkrone Den Kranz von Rosmarin,
Statt Hermelin und Seide Ein Leichentuch geerbt Und es zum Purpurkleide Mit eignem Blut gefärbt;
Der nun am wälschen Strande, Wo fremd die Woge schäumt, In fremder Männer Lande Den Lebensschlaf verträumt:
Mich grüßt von deinem Steine Der Heimatklang so traut, Wie dich in deinem Schreine Vielleicht mein deutscher Laut.
Nimm freundlich hin die Gaben, Die dir die Liebe streut, Die Grüße, die dein Schwaben Durch meine Hand dir beut;
Zwei grüne Eichenreiser, Am Staufenschloß gepflückt, Wie sie, du junger Kaiser, Dir oft das Haupt geschmückt,
Wenn über Alp′ und Kuppe, Vom Waldesgrün umwogt, In froher Jägertruppe Ihr aus zum Birschen zogt.
O schlügen tief und tiefer Sie Wurzeln in dem Stein, So wie auf kahlem Schiefer Die Tannen stolz gedeihn,
Und streuten sie als Bäume, Von frischem Grün umlaubt, Dir liebe alte Träume Ums früh gesunkne Haupt!
Dann statt des dumpfen Ave, Das durch die Wölbung hallt, Umspielte dich im Schlafe Ein Ton, der süßer schallt;
Ein Ton aus besserm Dome, Aus deutschem Eichenhain, Ein Gruß vom Donaustrome Und vom geliebten Rhein,
Und säuselnd stiege nieder Aus grünem Laub der Klang, So süß wie Uhlands Lieder Und Walthers Minnesang.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Grabe Conradins" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist ein lyrisches Werk, das den Tod des jungen Herzogs Konradin von Schwaben beklagt. Der Dichter besucht das Grab des Herzogs in Italien und bringt ihm als Zeichen der Verbundenheit zwei Eichelzweige vom Staufenschloss mit. Diese Geste symbolisiert die Sehnsucht nach der Heimat und die Hoffnung, dass die Zweige am Grab des Herzogs Wurzeln schlagen und ihm im Tod Trost spenden. Das Gedicht ist in vier Strophen gegliedert, die jeweils aus vier Versen bestehen. Die Reime sind durchweg männlich und folgen dem Schema AABB. Die Sprache ist bildhaft und metaphorisch. Der Dichter verwendet Personifikationen wie "Du Staufe" und "Mich grüßt von deinem Steine". Er vergleicht den Herzog mit einem Baum, der trotz kahlem Boden Wurzeln schlägt und wächst. Die Metapher vom "Kranz von Rosmarin" statt der Kaiserkrone deutet auf den tragischen Tod des Herzogs hin. Das Gedicht ist ein Beispiel für die romantische Dichtung, die sich mit Themen wie Tod, Trauer und Sehnsucht auseinandersetzt. Der Dichter verarbeitet in diesem Werk die historische Figur des Konradin, der als Symbol für Unschuld und Opferbereitschaft gilt. Das Gedicht ist auch ein Ausdruck der deutschen Romantik, die sich mit der eigenen Kultur und Geschichte auseinandersetzt und diese in der Dichtung verarbeitet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Lieder
- Hyperbel
- So süß wie Uhlands Lieder Und Walthers Minnesang
- Metapher
- Und säuselnd stiege nieder Aus grünem Laub der Klang
- Personifikation
- Und säuselnd stiege nieder Aus grünem Laub der Klang