Am Gipfel
1859Frei ist die Aussicht! Fahle Morgennebel hat flammend fortgeküßt des Mittags Mund; vor meinen Blicken glänzen goldne Thale, und thun mir ihre letzten Rätsel kund.
Frei ist die Aussicht! Drüben flattern Kränze um weiße Marmorurnen .. hier, voll Lust, verheißungsvoll die roten Lippen regend, beut mir das Leben seine volle Brust.
Ich aber recke meine Arme aus: in meinen rechten faß ich euch, ihr Toten, in meinen linken dich, oh quellend Leben!
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Interpretation
Das Gedicht "Am Gipfel" von Maria Janitschek handelt von der Erfahrung eines Menschen, der auf einem Gipfel steht und die Weite der Landschaft vor sich hat. Die "freie Aussicht" symbolisiert die Freiheit und Unabhängigkeit des Menschen, der sich von den Zwängen des Alltags befreit hat. Die "flammend fortgeküssten" Morgennebel deuten auf die Vergänglichkeit des Lebens hin, während die "goldnen Thale" und die "roten Lippen" die Schönheit und Fülle des Lebens symbolisieren. Die "weißen Marmorurnen" und die "Toten" in der rechten Hand des Sprechers stehen für die Vergangenheit und die Verstorbenen, während das "quellende Leben" in der linken Hand die Zukunft und das Leben selbst repräsentiert. Der Sprecher streckt seine Arme aus, um sowohl die Toten als auch das Leben zu umfassen, was auf eine Akzeptanz und Versöhnung mit der Vergänglichkeit des Lebens hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Akzeptanz und des Innehaltens. Der Sprecher hat die Weite der Landschaft und die Schönheit des Lebens erkannt und akzeptiert sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft. Die "freie Aussicht" symbolisiert die Freiheit des Geistes und die Fähigkeit, das Leben in seiner ganzen Fülle zu erfassen und zu umarmen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- rechten faß ich euch, ihr Toten, in meinen linken dich, oh quellend Leben
- Metapher
- ich recke meine Arme aus
- Personifikation
- Thale glänzen