Am Geburtstage
1817Es heißt wohl: Vierzig Jahr ein Mann! Doch Vierzig fängt die Fünfzig an.
Es liegt die frische Morgenzeit Im Dunkel unter mir so weit,
Daß ich erschrecke, wenn ein Strahl In diese Tiefe fällt einmal.
Schon weht ein Lüftlein von der Gruft, Das bringt den Herbst-Resedaduft.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Geburtstage" von Theodor Storm handelt von der Reflexion über das Älterwerden und die Vergänglichkeit des Lebens. Der Sprecher betrachtet seinen Lebensweg, der sich wie eine weite, dunkle Tiefe vor ihm erstreckt. Er fühlt sich von der Zeit überwältigt und erschrickt, wenn er auf die Vergangenheit blickt, die ihm so fern erscheint. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl von Melancholie und der Erkenntnis, dass das Leben endlich ist. In der ersten Strophe spielt der Sprecher auf das Sprichwort "Vierzig Jahr ein Mann" an, das besagt, dass ein Mensch mit vierzig Jahren seine Reife erreicht hat. Doch er fügt hinzu, dass mit vierzig Jahren auch die Fünfziger beginnen, was darauf hindeutet, dass das Leben nicht ewig währt. Die zweite Strophe beschreibt die Vergangenheit als eine "frische Morgenzeit", die tief unter ihm liegt und ihm fremd geworden ist. Der Sprecher erschrickt, wenn er an die Vergangenheit erinnert wird, als ob ein Lichtstrahl in die Dunkelheit seiner Erinnerungen fällt. In der letzten Strophe spürt der Sprecher den Hauch des Todes, symbolisiert durch das "Lüftlein von der Gruft". Der Duft der Reseda, einer im Herbst blühenden Pflanze, weht herüber und erinnert ihn an die Vergänglichkeit des Lebens. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Akzeptanz des unausweichlichen Endes, das jedes Leben ereilt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Vierzig fängt die Fünzig an
- Bildlichkeit
- Das bringt den Herbst-Resedaduft
- Metapher
- Es liegt die frische Morgenzeit im Dunkel unter mir so weit
- Personifikation
- Schon weht ein Lüftlein von der Gruft