Am Fuß der Alpen
1815Neu klimmt der Frühling auf die Höhn, Die Gletscher auf den Firnen krachen, Und die Lawine läßt der Föhn Zu ihrer Sommerlust erwachen; Der Donner ihres Sturzes hallt Durch Thal und Schluchten hin von Spalt zu Spalt.
Vom Wipfel wirft der Fichtenbaum Die Eisesdecke, die geborsten; Froh fliegen nach dem Wintertraum Die Adler auf von ihren Horsten, Und mit dem Gießbach thalwärts wälzt Der Schnee sich, den die Frühlingssonne schmelzt.
Wohl sonst zu euch ins reinre Blau, Ihr Alpen, an den Felsensteilen Klomm ich empor, in Almentau Des Lebens Wunden auszuheilen, Doch der ich war, bin ich nicht mehr; Was ruft ihr mich und macht das Herz mir schwer?
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Interpretation
Das Gedicht "Am Fuß der Alpen" von Adolf Friedrich Graf von Schack beschreibt den Einzug des Frühlings in den Alpen. Der Dichter schildert, wie die Gletscher bröckeln, Lawinen zu Tal stürzen und die Natur erwacht. Fichten werfen ihre Eisschicht ab, Adler verlassen ihre Horste und der Schnee schmilzt in der Frühlingssonne. Der zweite Teil des Gedichts wendet sich direkt an die Alpen. Der Sprecher erinnert sich an frühere Zeiten, in denen er zu den Bergen aufgestiegen ist, um dort Trost und Heilung für seine Lebenswunden zu finden. Die Alpen waren für ihn ein Ort der Erholung und des Rückzugs. Im letzten Vers drückt der Sprecher jedoch eine Veränderung aus. Er ist nicht mehr der, der er einmal war. Die Frage "Was ruft ihr mich und macht das Herz mir schwer?" lässt vermuten, dass der Sprecher sich nun von den Bergen distanziert fühlt oder dass die Berge Erinnerungen an eine vergangene Zeit wecken, die ihn traurig stimmen. Die Alpen, die einst ein Ort der Heilung waren, rufen ihn nun mit einer Melancholie, die sein Herz belastet.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Was ruft ihr mich und macht das Herz mir schwer
- Personifikation
- Mit dem Gießbach thalwärts wälzt der Schnee