Am Flusse
1799Verfließet, vielgeliebte Lieder, Zum Meere der Vergessenheit! Kein Knabe sing′ entzückt euch wieder, Kein Mädchen in der Blütenzeit.
Ihr sanget nur von meiner Lieben; Nun spricht sie meiner Treue Hohn. Ihr wart in′s Wasser eingeschrieben; So fließt denn auch mit ihm davon!
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Interpretation
Das Gedicht "Am Flusse" von Johann Wolfgang von Goethe beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit der Liebe und der Poesie. Der Fluss symbolisiert den Lauf der Zeit, der alles mit sich trägt und vergessen lässt. Die Lieder, die einst von der Liebe des lyrischen Ichs gesungen wurden, werden nun vom Fluss fortgespült und vergessen. Das lyrische Ich blickt voller Wehmut auf die vergangene Zeit zurück, in der die Lieder noch von der Liebe gesungen wurden. Doch nun hat sich die Geliebte abgewandt und die Treue des lyrischen Ichs mit Hohn gestraft. Die Lieder, die einst Zeugnis der Liebe ablegten, sind nun überflüssig und werden vom Fluss mitgenommen. Das Gedicht endet mit der Resignation des lyrischen Ichs. Es akzeptiert, dass die Lieder und die Liebe der Vergangenheit angehören und nun vom Fluss der Zeit fortgespült werden. Die Vergänglichkeit der Liebe und der Poesie wird als unausweichlich dargestellt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Kein Knabe sing′ entzückt euch wieder, Kein Mädchen in der Blütenzeit
- Bildlichkeit
- Ihr wart in′s Wasser eingeschrieben
- Kontrast
- Ihr sanget nur von meiner Lieben; Nun spricht sie meiner Treue Hohn
- Metapher
- Zum Meere der Vergessenheit
- Personifikation
- Verfließet, vielgeliebte Lieder