Am Fenster

Paul Heyse

1914

Ich hab empor gesehen und geglaubt, im Fenster dort ging auf der Sonne Glanz; die Brust noch drinnen, vor gelehnt das Haupt, um’s schöne Haar schlang sich ein Veilchenkranz. Gib acht, Signor, daß ich dich nicht verwunde. Du trägst der Liebe Waffen auf dem Haupt. Zwei Löckchen sind auf deinem Haupt zu sehn, blickst empor, so ist’s um dich geschehen.

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Interpretation

Das Gedicht "Am Fenster" von Paul Heyse beschreibt eine romantische und zugleich gefährliche Begegnung. Der Erzähler blickt aus dem Fenster und sieht eine Frau, deren Anblick von der Sonne erhellt wird. Sie lehnt mit dem Kopf nach vorne, während ihr Oberkörper noch im Inneren verborgen bleibt. Ein Veilchenkranz schmückt ihr schönes Haar, was eine zarte und natürliche Schönheit symbolisiert. Die Frau warnt den Betrachter, den "Signor", davor, sie nicht zu verletzen, da sie die Waffen der Liebe auf dem Kopf trägt. Diese Metapher deutet an, dass ihr Haar oder ihre Locken eine unwiderstehliche Anziehungskraft besitzen, die den Betrachter in ihren Bann ziehen kann. Die Warnung unterstreicht die Macht der Schönheit und die potenzielle Gefahr, die von ihr ausgeht. Im letzten Vers wird die Gefahr konkretisiert: Zwei Locken auf ihrem Haupt sind so faszinierend, dass der Betrachter, sobald er emporblickt, verloren ist. Das Gedicht vermittelt somit die Idee, dass Schönheit und Liebe betörend und zugleich gefährlich sein können, und dass der Betrachter der unwiderstehlichen Anziehungskraft der Frau erliegt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
um's schöne Haar schlang sich ein Veilchenkranz
Direkte Ansprache
Gib acht, Signor, daß ich dich nicht verwunde.
Metapher
Du trägst der Liebe Waffen auf dem Haupt.
Personifikation
die Brust noch drinnen, vor gelehnt das Haupt