Am Feierabend
1823Hätt ich tausend Arme zu rühren! Könnt ich brausend Die Räder führen! Könnt ich wehen Durch alle Haine! Könnt ich drehen Alle Steine! Daß die schöne Müllerin Merkte meinen treuen Sinn!
Ach, wie ist mein Arm so schwach! Was ich hebe, was ich trage, Was ich schneide, was ich schlage, Jeder Knappe tut mir′s nach. Und da sitz ich in der großen Runde, In der stillen kühlen Feierstunde, Und der Meister spricht zu allen: Euer Werk hat mir gefallen; Und das liebe Mädchen sagt Allen eine gute Nacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Am Feierabend" von Wilhelm Müller beschreibt die Sehnsucht und Unzulänglichkeit des lyrischen Ichs. In den ersten Strophen drückt das Ich den Wunsch aus, mächtige Taten vollbringen zu können, um die Aufmerksamkeit und Zuneigung der schönen Müllerin zu gewinnen. Es träumt davon, mit tausend Armen zu rühren, die Räder zu führen, durch die Haine zu wehen und die Steine zu drehen, um seinen treuen Sinn zu offenbaren. Die zweite Strophe kontrastiert diese Wünsche mit der Realität. Das Ich erkennt seine Schwäche und Unzulänglichkeit im Vergleich zu den anderen Knappen. Es fühlt sich unbedeutend und unfähig, da jeder Knappe die gleichen Aufgaben erledigen kann. Diese Erkenntnis führt zu einer melancholischen Stimmung, da das Ich sich in der Runde der Arbeiter unwichtig fühlt. In der letzten Strophe wird die Szene am Ende des Arbeitstages beschrieben. Während der Meister die Arbeit aller lobt, bleibt das Ich unerwähnt und unsichtbar. Die schöne Müllerin wünscht allen eine gute Nacht, aber das Ich fühlt sich ausgeschlossen und unverstanden. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Einsamkeit und unerfüllter Sehnsucht des lyrischen Ichs.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Hätt ich tausend / Arme zu rühren! / Könnt ich brausend / Die Räder führen! / Könnt ich wehen / Durch alle Haine! / Könnt ich drehen / Alle Steine!
- Enjambement
- In der stillen kühlen Feierstunde, / Und der Meister spricht zu allen: / Euer Werk hat mir gefallen; / Und das liebe Mädchen sagt / Allen eine gute Nacht.
- Hyperbel
- Hätt ich tausend Arme zu rühren!
- Kontrast
- Ach, wie ist mein Arm so schwach! / Was ich hebe, was ich trage, / Was ich schneide, was ich schlage, / Jeder Knappe tut mir's nach.