Am dritten Sonntage im Advent

Annette von Droste-Hülshoff

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Evang.: Johannes sendet zu Christo

Auf keinen Andern wart′ ich mehr: Wer soll noch Liebres kommen mir? Wer soll so mild und doch so hehr Mir treten an des Herzens Tür? Wer durch des Fiebers Qual und Brennen So liebreich meinen Namen nennen, Ein Balsamträufeln für und für?

Du wußtest es von Ewigkeit, Daß der Gedanken Übermaß, Dem Sinn entzogner Herrlichkeit, Zersprengen müßt′ mein Hirn wie Glas; So kommst du niedrig meinesgleichen, Wie zu der Armut Fromme schleichen, Dich setzend wo der Bettler saß.

Wenn fast zum Schwindeln mich gebracht Der wirbelnden Betrachtung Kreis, Dann trittst du aus der Dünste Nacht, Und deine Stimme flüstert leis: »Hier bin ich, bin ich, woll′ mich fassen, Dann magst du alles Andre lassen; Auf meinem Kreuze liegt der Preis.«

O Stimme, immer mir bekannt, O Wort, das stets verständlich mir, Du legst mir auf der Liebe Band, Und meine Schritte folgen dir! In Liebe glaub′ ich, Liebesglauben Fürwahr soll keine Macht mir rauben; Geschlossen ist des Grübelns Tür.

Gehemmt die Jagd, durch scharfen Stein Und Dornen hetzend meinen Fuß; Ich ruh′ in deinem kühlen Hain Und lausche deinem sanften Gruß. Die Blinden sehn, die Kalten glühen, Und aus des Irren Haupte ziehen Der dumpfen Schatten Menge muß.

Ich folge dir zu Berges Höhn, Wo Leben von den Lippen fließt, Und deine Tränen darf ich sehn, O tausendmal mit Heil gegrüßt; Muß in Gethsemane erzittern, Daß Schrecken Gottes Leib erschüttern, Blutschweiße Gottes Stirn vergießt.

Er hat gehorsam bis zum Tod, Ja, zu des Todes eitlem Graus, Gekostet jede Menschennot Und trank den vollen Becher aus: So richte dich aus Dorn und Höhle, Du meine angstgeknickte Seele; Auch du nur trägst ein irdisch Haus.

Laß wanken denn die Türme grau Und mische deine Tränen nur Mit deines Heilands blut′gem Tau, Gequälter Sklave der Natur; Er, dessen Schweiß den Grund gerötet, Er weiß es, wie ein Seufzer betet, Mein Jesus, meine Hoffnungsau!

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Illustration zu Am dritten Sonntage im Advent

Interpretation

Das Gedicht "Am dritten Sonntage im Advent" von Annette von Droste-Hülshoff ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Glauben und Erlösung. Die lyrische Ich-Figur sehnt sich nach göttlicher Liebe und Trost, die nur durch Christus zu finden ist. Die Sprache ist geprägt von starken Kontrasten zwischen irdischem Leid und himmlischer Hoffnung, was die tiefe Sehnsucht nach Erlösung unterstreicht. Die Dichterin verwendet lebendige Bilder und Metaphern, um die emotionale Intensität des Glaubens zu vermitteln. Die Vorstellung von Christus als dem einzigen, der wahre Liebe und Trost bringen kann, wird durch die wiederholte Betonung seiner einzigartigen Rolle deutlich. Die Beschreibung von Christi Demut und Opferbereitschaft, die bis zum Tod am Kreuz führt, unterstreicht die zentrale Bedeutung des Glaubens als Quelle der Hoffnung und des Trostes. Abschließend vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und Erlösung durch den Glauben an Christus. Trotz der Anerkennung menschlicher Schwäche und des Leidens, das die Welt prägt, findet die lyrische Figur in Christus einen Anker der Hoffnung. Die Verbindung von persönlichem Glauben mit der universellen Erlösungsgeschichte schafft eine kraftvolle und emotionale Darstellung des christlichen Glaubens.

Schlüsselwörter

soll tür stimme liebe sehn muß tränen gottes

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Gehemmt die Jagd, durch scharfen Stein
Anapher
Wer soll noch Liebres kommen mir? Wer soll so mild und doch so hehr
Bildsprache
Laß wanken denn die Türme grau
Hyperbel
Daß der Gedanken Übermaß, Dem Sinn entzogner Herrlichkeit
Kontrast
So kommst du niedrig meinesgleichen
Metapher
Blutschweiße Gottes Stirn vergießt
Personifikation
Geschlossen ist des Grübelns Tür
Symbolik
Auf meinem Kreuze liegt der Preis