Am Ammersee

Ernst Ziel

unknown

Es steht eine Weide am Ammersee. Die taucht ihr Gezweig in die Fluten. “Ade, goldhaariger Schatz, ade! Nun gilts für den König zu bluten. Traut war es zu kosen, Boot an Boot, Wenn die Wasser rauschten im Ammersee, Und über ein Jahr, wer weiß, bin ich tot - Ade nun, mein Schatz, ade!”

Sie fuhren noch einmal den See entlang Wohl unter die flüsternde Weide, Die Herzen so weh, die Herzen so bang - sie kosten in Lust und in Leide. Ab stieß er den Nachen - er schwenkte den Hut: Da rauschten die Wasser im Ammersee. “Dem König gehorchte ein Soldatenblut - Ade nun, mein Schatz, ade!”

Und über ein Jahr ein Reitergrab Liegt einsam auf fremder Heide. Es neigt die Zweige darüber herab Eine wilde, verwachsene Weide; Sie seufzt in die Winde - die tragen es fort, die Wasser rauschen im Ammersee: “Dein Liebster, der schlummert am Heideort - Ade nun, mein Schatz, ade!”

Eine Weide, die steht am Ammersee; Sie taucht ihr Gezweig in die Fluten; Es tut wohl kein Herzeleid so weh, Als um Liebe, um Liebe verbluten. Nun schimmerts herauf alabasterweiß Durch die rauschenden Wasser im Ammersee: “Goldhaarige Stirn, wir umplätschern dich leis - Ade nun, mein Schatz, ade!”

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Illustration zu Am Ammersee

Interpretation

Das Gedicht "Am Ammersee" von Ernst Ziel erzählt eine tragische Liebesgeschichte, die durch den Ruf des Krieges und die Trennung durch den Tod geprägt ist. Es beginnt mit einer Weide am Ammersee, die als stummer Zeuge der Abschiedsszene zwischen einem Soldaten und seiner Geliebten fungiert. Der Soldat muss in den Krieg ziehen, und beide wissen, dass sie sich möglicherweise nie wiedersehen werden. Die Weide taucht ihr Gezweig in die Fluten, als ob sie den Schmerz der Trennung nachempfindet. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den letzten gemeinsamen Ausflug auf dem See. Die Liebenden fahren unter die Weide, ihre Herzen sind voller Weh und Bangen. Der Soldat stößt den Nachen ab und verabschiedet sich mit einer Handbewegung. Die Zeile "Dem König gehorchte ein Soldatenblut" deutet darauf hin, dass er in den Krieg zieht und möglicherweise sein Leben lassen wird. Die Wiederholung des Abschieds "Ade nun, mein Schatz, ade!" unterstreicht die Endgültigkeit der Trennung. Im dritten Teil erfahren wir, dass der Soldat tatsächlich gefallen ist. Über ein Jahr später liegt sein Grab einsam auf fremder Heide. Die Weide, die einst Zeuge des Abschieds war, neigt nun ihre Zweige über das Grab des Liebsten. Sie seufzt in den Wind, und die Worte "Dein Liebster, der schlummert am Heideort" werden von den Wassern des Ammersees getragen. Die Weide wird zur Symbolfigur des ewigen Gedenkens und des unerfüllten Verlangens. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über die tiefe Trauer, die der Verlust der Liebe mit sich bringt. Die Weide steht immer noch am Ammersee, ihre Zweige tauchen in die Fluten. Die Zeile "Es tut wohl kein Herzeleid so weh, als um Liebe, um Liebe verbluten" fasst die tiefe Trauer zusammen, die der Verlust der Liebe verursacht. Die letzten Zeilen beschreiben, wie die Gebeine des Soldaten durch die Wasser des Sees getragen werden, und die Weide verabschiedet sich ein letztes Mal von der Geliebten. Die Wiederholung des Abschieds "Ade nun, mein Schatz, ade!" am Ende des Gedichts unterstreicht die Endgültigkeit des Verlustes und die unendliche Trauer.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Die Herzen so weh, die Herzen so bang
Anapher
Ade nun, mein Schatz, ade!
Hyperbel
Es tut wohl kein Herzeleid so weh
Kontrast
Lust und Leide
Metapher
Traut war es zu kosen, Boot an Boot
Personifikation
Es steht eine Weide am Ammersee. Die taucht ihr Gezweig in die Fluten.
Symbolik
Eine wilde, verwachsene Weide
Synästhesie
Nun schimmerts herauf alabasterweiß
Wiederholung
Die Wasser rauschen im Ammersee