Altes Lied

Heinrich Heine

1851

Du bist gestorben und weißt es nicht, Erloschen ist dein Augenlicht, Erblichen ist dein rotes Mündchen, Und du bist tot, mein totes Kindchen.

In einer schaurigen Sommernacht Hab ich dich selber zu Grabe gebracht; Klaglieder die Nachtigallen sangen, Die Sterne sind mit zur Leiche gegangen.

Der Zug, der zog den Wald vorbei, Dort widerhallt die Litanei; Die Tannen, in Trauermäntel vermummet, Sie haben Totengebete gebrummet.

Am Weidensee vorüber gings, Die Elfen tanzten inmitten des Rings; Sie blieben plötzlich stehen und schienen Uns anzuschaun mit Beileidsmienen.

Und als wir kamen zu deinem Grab, Da stieg der Mond vom Himmel herab. Er hielt eine Rede. Ein Schluchzen und Stöhnen, Und in der Ferne die Glocken tönen.

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Illustration zu Altes Lied

Interpretation

Das Gedicht "Altes Lied" von Heinrich Heine erzählt von der Trauer und dem Schmerz des lyrischen Ichs über den Tod eines geliebten Kindes. Das Gedicht beginnt mit einer schockierenden Erkenntnis, dass das Kind gestorben ist, ohne es zu wissen. Die Bilder der erloschenen Augen und des erblassenden Mundes verstärken die Trauer und den Schmerz des lyrischen Ichs. Der Tod des Kindes wird als ein Verlust beschrieben, der das Herz des lyrischen Ichs zerreißt. Die zweite Strophe beschreibt die Beerdigung des Kindes in einer schaurigen Sommernacht. Die Nachtigallen singen Klagegesänge und die Sterne begleiten die Leiche. Die Natur scheint den Tod des Kindes zu beklagen und zu trauern. Die Tannen, die in Trauermäntel gehüllt sind, murmeln Totengebete und der Zug zieht durch den Wald. Die Elfen tanzen im Ring, bleiben aber plötzlich stehen und scheinen dem Trauerzug mitfühlend zuzusehen. Die letzte Strophe beschreibt die Ankunft am Grab des Kindes. Der Mond steigt vom Himmel herab und hält eine Rede. Das Schluchzen und Stöhnen des lyrischen Ichs und das Tönen der Glocken in der Ferne verstärken die Trauer und den Schmerz über den Verlust des Kindes. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Unfähigkeit, den Verlust des Kindes zu akzeptieren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Klaglieder die Nachtigallen sangen
Metapher
Der Mond hielt eine Rede
Personifikation
Die Tannen haben Totengebete gebrummet.