Alte Rose

Heinrich Heine

1797

Eine Rosenknospe war Sie, für die mein Herz erglühte; Doch sie wuchs, und wunderbar Schoss sie auf zu voller Blüte.

Ward die schönste Ros im Land, Und ich wollt die Rose brechen, Doch sie wusste mich pikant Mit den Dornen fortzustechen.

Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt Und verklatscht von Wind und Regen - Liebster Heinrich bin ich jetzt, Liebend kommt sie mir entgegen.

Heinrich hinten, Heinrich vorn, Klingt es jetzt mit süssen Toenen; Sticht mich jetzt etwa ein Dorn, Ist es an dem Kinn der Schönen.

Allzu hart die Borsten sind, Die des Kinnes Wärzchen zieren- Geh ins Kloster, liebstes Kind, Oder lasse dich rasieren.

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Illustration zu Alte Rose

Interpretation

Das Gedicht "Alte Rose" von Heinrich Heine handelt von der Entwicklung einer Liebe und ihrer späteren Verwandlung. Die "Rosenknospe" symbolisiert zu Beginn eine junge, unerfahrene Liebe, die das Herz des Sprechers entflammt. Mit der Zeit wächst diese Liebe heran und entfaltet sich zu voller Blüte, was ihre Schönheit und Reife unterstreicht. Jedoch ist die Liebe nicht ohne Hindernisse. Die Rose, die für ihre Schönheit bewundert wird, weist den Sprecher mit ihren Dornen zurück, was auf eine anfängliche Zurückweisung oder Schwierigkeiten in der Beziehung hindeutet. Diese Ablehnung ist nicht von Dauer, denn im nächsten Schritt wird die Rose als verwelkt und zerfetzt beschrieben, was auf das Vergehen der Zeit und den Verlust der äußeren Schönheit anspielt. Interessanterweise ändert sich die Haltung der Geliebten mit dem Alter. Sie wird nun zärtlich und liebevoll, was im Kontrast zu ihrem früheren Verhalten steht. Der Sprecher nimmt diese Wandlung wahr und bemerkt die Veränderungen in der Stimme der Geliebten, die nun süße Töne anschlägt. Doch auch hier gibt es eine ironische Wendung: Was früher als Dornen wirkte, ist nun ein sanfter Kontakt am Kinn der Schönen. Das Gedicht endet mit einem humorvollen und leicht spöttischen Ton. Die "Borsten" am Kinn der Geliebten werden als zu hart beschrieben, was auf eine gewisse Unattraktivität im Alter hindeutet. Der Sprecher rät ihr entweder, ins Kloster zu gehen oder sich zu rasieren, was eine spielerische Aufforderung zur Veränderung oder zum Rückzug aus der Gesellschaft sein könnte. Insgesamt zeichnet das Gedicht ein Bild von der Vergänglichkeit der Schönheit und der wandelbaren Natur der Liebe.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Heinrich hinten, Heinrich vorn, Klingt es jetzt mit süssen Toenen
Befehl
Geh ins Kloster, liebstes Kind, Oder lasse dich rasieren
Hyperbel
Sticht mich jetzt etwa ein Dorn, Ist es an dem Kinne der Schönen
Ironie
Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt Und verklatscht von Wind und Regen - Liebster Heinrich bin ich jetzt, Liebend kommt sie mir entgegen
Kontrast
Allzu hart die Borsten sind, Die des Kinnes Wärzchen zieren
Metapher
Eine Rosenknospe war Sie, für die mein Herz erglühte
Personifikation
Doch sie wusste mich pikant Mit den Dornen fortzustechen