Alte Geschichte
1859»Lieben, wies nicht Andre können, Will ich dich, mein Kind, Wenns die Götter nur vergönnen, Und nicht neidisch sind.«
Sprach zu Hero einst Leander, Als er sie gesehn, »Lieben wollen wir einander, Bis wir untergehn!«
Zwischen hohem Felsenufer Rauscht das wilde Meer, Worte tauschen helle Rufer Nimmer hin und her.
Doch hinüber schwamm Leander, Wenn die Sonne sank, Und die Heißgeliebte fand er Drüben liebekrank.
Und das Mädchen flog vom Thurme, Wo sie lauschend stand, Niedersah zum Wellensturme, Nieder auf den Strand.
War genesen von dem Harme, Als er kam gesund, Preßt den Jüngling in die Arme, Küßte wild den Mund.
Wie so graus die Wasser toben! Mein Leander da? Sei gepriesen, laß dich loben, Amathusia!
»Dir am Busen, dir am treuen, Heißen laß mich ruhn, Seine Schlummerkörner streuen Lasse Morpheus nun!« -
Wieder wachen auf die Sorgen, Denn es bleicht der Mond; Und es zittert schon der Morgen Ueberm Hellespont.
Lebe wohl, du mußt hinüber - Doch die andre Nacht Kommst du wieder o mein Lieber? Deine Hero wacht!
»Komme wieder, meine Süße, Sollst mich morgen sehn! Mich behüten deine Küsse Vor dem Untergehn.«
Und die Meereswogen schlagen Zischend um ihn her - Das Lebendige zu tragen Weigert sich das Meer.
Drunten auf dem Felsenbette Lacht der falsche Gott, Seine Weiber um die Wette Ueben sich im Spott.
In der Jünglingsbrust zusammen Bricht der kecke Sinn; Die erstarrten Glieder schwammen Willenlos dahin.
Stille wars - die Winde ruhten; Ungerührt und groß, Ueber spiegelglatten Fluthen Glänzte Helios.
Habt ihr, jammert eine Mutter, Hero nicht gesehn? Jammernd sah man eine Mutter An dem Meere stehn.
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Interpretation
Das Gedicht "Alte Geschichte" von Ludwig Eichrodt erzählt die tragische Liebesgeschichte von Leander und Hero. Das Gedicht beginnt mit einem Dialog zwischen Leander und Hero, in dem sie ihre unsterbliche Liebe zueinander bekunden. Leander schwimmt jede Nacht über den Hellespont, um seine geliebte Hero zu treffen, die auf der anderen Seite auf ihn wartet. Die Handlung des Gedichts entwickelt sich weiter und beschreibt die gefährlichen Bedingungen, unter denen Leander schwimmen muss. Die wilden Meereswellen und die tosenden Wasser stellen eine ständige Bedrohung für ihn dar. Trotzdem schwimmt Leander tapfer weiter, um seine geliebte Hero zu erreichen. Das Gedicht endet tragisch, als Leander beim Schwimmen ertrinkt. Hero, verzweifelt und untröstlich, springt vom Turm in den Tod. Das Gedicht verdeutlicht die Kraft der Liebe und die damit verbundenen Opfer. Es zeigt auch die zerstörerische Natur der Naturgewalten und wie sie das Schicksal der Liebenden beeinflussen können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Worte tauschen helle Rufer
- Anapher
- Lieben, wies nicht Andre können / Lieben wollen wir einander
- Anspielung
- Amathusia
- Bildsprache
- Ueber spiegelglatten Fluthen / Glänzte Helios
- Enjambement
- Und das Mädchen flog vom Thurme, / Wo sie lauschend stand
- Hyperbel
- Bis wir untergehn
- Kontrast
- War genesen von dem Harme, / Als er kam gesund
- Metapher
- Seine Schlummerkörner streuen
- Personifikation
- Zwischen hohem Felsenufer Rauscht das wilde Meer
- Symbolik
- Helios