Altbrandenburgisch

Ludwig Thoma

1813

Mit Gott — für König — und fürs Vaterland! Wir kennen die Devise als geschichtlich Und wissen auch, Dass Preußens Adelsstand Sich von ihr leiten lässt, ganz offensichtlich.

Mit Gott — der protestantischen Kulör — Doch kann man sich für Geld dazu verstehen Und ist katholisch noch so contre coeur, Mit Rom und Zentrum Arm in Arm zu gehen.

Und für den König! Majestät gehört Ein jedes der Gefühle, die nicht rosten, Und deren Heilighaltung jeder schwört, Und die — was Vorbedingung ist — nichts kosten.

Dem Vaterlande weiht die Adelsschar Mit breiten Mäulern jederlei Gesinnung, Doch fordert weiter nichts! Besonders bar Bezahlt sie nicht, die Patrioteninnung.

Und so mit Gott — die Phrase bleibt in Kraft — Nicht für den König — für die eignen Taschen — Nicht für das Land — für die Genossenschaft Sucht jeden Vorteil schmutzig ihr zu haschen.

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Illustration zu Altbrandenburgisch

Interpretation

Das Gedicht "Altbrandenburgisch" von Ludwig Thoma ist eine scharfe Kritik an der Heuchelei und dem Egoismus des preußischen Adels. Thoma entlarvt die vermeintlichen patriotischen und religiösen Motive als bloße Phrasen, die von den Eliten instrumentalisiert werden, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Die Devise "Mit Gott — für König — und fürs Vaterland!" wird als hohle Rhetorik entlarvt, die den wahren Absichten des Adels widerspricht. Thoma zeigt auf, wie der Adel Religion und Patriotismus als Fassade benutzt, um ihre wahren Ziele zu verschleiern. Die Erwähnung von "protestantischer Kulör" und der Bereitschaft, "mit Rom und Zentrum Arm in Arm zu gehen", verdeutlicht die Anpassungsfähigkeit des Adels an finanzielle Vorteile, unabhängig von religiösen Überzeugungen. Die Phrase "nichts kosten" unterstreicht, dass der Adel bereit ist, patriotische Gefühle zu bekunden, solange es sie nichts kostet. Die abschließenden Zeilen des Gedichts legen die wahre Natur des Adels offen: "Nicht für den König — für die eignen Taschen — / Nicht für das Land — für die Genossenschaft / Sucht jeden Vorteil schmutzig ihr zu haschen." Thoma kritisiert, dass der Adel ausschließlich an persönlichem Gewinn und der Stärkung seiner eigenen Gemeinschaft interessiert ist, während er die Ideale von König und Vaterland als Vorwand benutzt. Das Gedicht ist eine scharfe Anklage gegen die moralische Verkommenheit und den Verrat an den wahren Werten der Gesellschaft durch den preußischen Adel.

Schlüsselwörter

gott könig arm fürs vaterland kennen devise geschichtlich

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Stilmittel

Alliteration
Besonders bar Bezahlt sie nicht, die Patrioteninnung
Anapher
Mit Gott — für König — und fürs Vaterland!
Chiasmus
Nicht für den König — für die eignen Taschen — Nicht für das Land — für die Genossenschaft
Ironie
Und die — was Vorbedingung ist — nichts kosten
Kontrast
Mit Gott — die Phrase bleibt in Kraft — Nicht für den König — für die eignen Taschen — Nicht für das Land — für die Genossenschaft
Metapher
Mit Gott — der protestantischen Kulör —
Personifikation
Majestät gehört Ein jedes der Gefühle