Alt Mütterlein

Friedrich Nietzsche

1844

In Sonnenglut, in Mittagsruh Liegt stumm das Hospital; Es sitzt ein altes Mütterlein, Am Fenster bleich und fahl.

Ihr Aug′ ist trüb, ihr Haar schneeweiß, Ihr Mieder rein und schlicht, Sie freut sich wohl und lächelt still, Im warmen Sonnenlicht.

Am Fenster blüht ein Rosenstock Viel Bienlein rings herum, Stört denn die stille Alte nicht Das emsige Gesumm?

Sie schaut in all′ die Sonnenlust So selig stumm hinein: Noch schöner wird′s im Himmel sein, Du liebes Mütterlein!

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Illustration zu Alt Mütterlein

Interpretation

Das Gedicht "Alt Mütterlein" von Friedrich Nietzsche beschreibt die ruhige und friedliche Szene eines alten Mütterleins, das in einem Hospital sitzt. Die Atmosphäre ist von Sonnenglut und Mittagsruh geprägt, was eine warme und entspannte Stimmung vermittelt. Die alte Frau wird als bleich und fahl beschrieben, mit trüben Augen und schneeweißem Haar. Trotz ihrer äußeren Erscheinung scheint sie in der Sonne zu strahlen und lächelt still vor sich hin. Das Gedicht setzt einen Kontrast zwischen der stillen Alten und der umgebenden Natur. Ein Rosenstock blüht am Fenster und zahlreiche Bienen summen umher. Die Frage, ob die emsigen Bienen die Alte stören, wird mit einem entschiedenen Nein beantwortet. Die Frau scheint in ihrer eigenen Welt zu sein, in der sie die Schönheit der Natur und die Sonnenlust auf sich wirken lässt. Die abschließende Strophe des Gedichts vermittelt eine tiefere spirituelle Botschaft. Die alte Frau blickt in die Sonnenlust und scheint selig und still zu sein. Sie glaubt, dass es im Himmel noch schöner sein wird. Dies deutet darauf hin, dass die Frau trotz ihrer körperlichen Schwäche und ihres Alters eine tiefe innere Ruhe und Zufriedenheit gefunden hat. Sie freut sich auf das Leben nach dem Tod und findet Trost in ihrem Glauben an die Schönheit des Himmels.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Sie freut sich wohl und lächelt still
Bildlichkeit
In Sonnenglut, in Mittagsruh Liegt stumm das Hospital; Es sitzt ein altes Mütterlein, Am Fenster bleich und fahl.
Hyperbel
Noch schöner wird′s im Himmel sein
Ironie
Stört denn die stille Alte nicht Das emsige Gesumm?
Kontrast
Ihr Aug′ ist trüb, ihr Haar schneeweiß, Ihr Mieder rein und schlicht
Metapher
In Sonnenglut, in Mittagsruh
Personifikation
Am Fenster blüht ein Rosenstock Viel Bienlein rings herum
Symbolik
Sie schaut in all′ die Sonnenlust So selig stumm hinein