Alß sie ein Poëtischer Geist tribe
1682Ich / der ich sonsten pflag von schlechten Dingen schreiben / bin gänzlich umgekehrt / nun muß mein Lob wohl bleiben / und grünen wie ein Zweig / iezt wil ich meinen Sinn / von dem / das niedrig ist / biß in die Wolcken ziehn. Die Göttin Fama wil mir selber Flügel geben / die immer für und für am hellen Himmel kleben / und wo der Venus Sohn hinfüro schiessen wil nach mir / so raht ich / daß er in die Wolcken Ziel. Da soll mein Ball=Plaz seyn / da soll das Glüder fliegen / wie Spreu / das brennen muß / und allzeit unten ligen. Die Clio bindet mir schon selbst die Lohrbeer=Kron / die Ewig grünen wird / nun soll die Kunst den Lohn erlangen / recht; So muß ein freyer Sinn bekleiben; nuhn / ich will immer auch bey meinen Worten bleiben / und steigen mit dem Sinn des Himmels Leiter an / ein jeder sey bereit / daß er mir folgen kan.
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Interpretation
Das Gedicht "Alß sie ein Poëtischer Geist tribe" von Sibylla Schwarz ist ein frühes Werk der deutschen Barocklyrik, das den Aufbruch des lyrischen Ichs in die Welt der Poesie und der geistigen Höhen beschreibt. Die Dichterin betont, dass sie sich von der Beschäftigung mit "schlechten Dingen" abgewendet hat und nun ihre Gedanken und ihre Kunst in höhere Sphären erheben möchte. Der Titel deutet auf eine Art geistige Erweckung oder Berufung hin, die den poetischen Geist in ihr erweckt hat. In den ersten Strophen des Gedichts beschreibt die Autorin ihre Absicht, ihre Gedanken und ihre Kunst in höhere Sphären zu erheben. Sie möchte, dass ihr Lob und ihre Kunst wie ein grüner Zweig gedeihen und dass ihre Gedanken von den niedrigen Dingen bis in die Wolken reichen. Die Göttin Fama (die Personifikation des Ruhms) soll ihr Flügel geben, damit sie in den Himmel aufsteigen kann. Die Dichterin fordert den Gott Amor auf, seine Pfeile in die Wolken zu schießen, und verweist auf ihr eigenes "Ball-Platz", wo die Pfeile wie Spreu brennen und unten liegen bleiben sollen. In den letzten Strophen des Gedichts beschreibt die Autorin ihre Hoffnung, dass ihre Kunst und ihre Worte von der Clio (der Muse der Geschichte) belohnt werden. Sie erwartet, dass ihre Kunst den Lorbeerkranz verdient, der ewig grün bleibt. Die Dichterin betont, dass ein freier Geist sich an seine Worte halten muss und dass sie mit dem Leiter des Himmels aufsteigen wird. Sie fordert ihre Leser auf, bereit zu sein, ihr zu folgen und ihre Gedanken und ihre Kunst zu teilen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ball=Plaz seyn
- Bildsprache
- steigen mit dem Sinn des Himmels Leiter an
- Hyperbel
- Die Clio bindet mir schon selbst die Lohrbeer=Kron / die Ewig grünen wird
- Metapher
- steigen mit dem Sinn des Himmels Leiter an
- Personifikation
- Die Clio bindet mir schon selbst die Lohrbeer=Kron