Als sie ihr Bildniss schildern sollte

Christiana Mariana von Ziegler

1701

Mein Freund, o! thu dir nicht Gewalt; Kennst du mich gleich nicht von Gestalt, Deswegen fasse keine Grillen; Den Kummer will ich dir bald stillen. Ich setze schon die Feder an. Mit dieser wird dir kund gethan: Du sollst mein Bild in Reimen lesen, Mein Ansehn und mein ganzes Wesen. Ich bin nicht klein, ich bin nicht groß, Ich geh bedeckt und niemals bloß. Mit aufgeräumten frohen Minen Such ich der ganzen Welt zu dienen. Ich bin nicht stark; ich bin nicht schwach; Mein Fuß ist schnell, kein Ungemach Setzt meine Seel aus ihren Schranken; Mein fester Sinn pflegt nicht zu wanken. Ich liebe Kunst und Wissenschaft Und lache wenn man sich vergafft.

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Illustration zu Als sie ihr Bildniss schildern sollte

Interpretation

Das Gedicht "Als sie ihr Bildniss schildern sollte" von Christiana Mariana von Ziegler ist eine Selbstbeschreibung in Versform, die sich mit den äußeren und inneren Eigenschaften der lyrischen Ich-Figur auseinandersetzt. Die Sprecherin wendet sich direkt an ihren Freund und bittet ihn, sich keine Sorgen zu machen, wenn er sie nicht sofort erkennt. Sie verspricht, ihr Wesen und Aussehen durch Worte zu vermitteln, sodass der Freund sie besser verstehen kann. Die Beschreibung beginnt mit physischen Merkmalen, wobei die Sprecherin weder als klein noch als groß charakterisiert wird. Sie betont, dass sie sich bedeckt und nicht bloß bewegt, was auf eine gewisse Bescheidenheit oder Zurückhaltung hindeuten könnte. Die Frohnatur und der Wille, der Welt zu dienen, werden ebenfalls erwähnt, was auf eine positive und hilfsbereite Persönlichkeit schließen lässt. Die Sprecherin beschreibt sich als nicht besonders stark oder schwach, aber als schnellfüßig und widerstandsfähig gegenüber Ungemach, was auf eine gewisse Resilienz und Anpassungsfähigkeit schließen lässt. Im letzten Abschnitt des Gedichts wird die intellektuelle Seite der Sprecherin beleuchtet. Sie zeigt Interesse an Kunst und Wissenschaft und verweist auf ihre Fähigkeit, über die Torheiten anderer zu lachen. Dies deutet auf eine gewisse Bildung und einen kritischen, vielleicht sogar sarkastischen Geist hin. Die Selbstbeschreibung endet mit einer Betonung der geistigen Stärke und Unerschütterlichkeit der Sprecherin, die trotz aller Widrigkeiten fest in ihren Überzeugungen bleibt.

Schlüsselwörter

freund thu gewalt kennst gleich gestalt deswegen fasse

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Stilmittel

Anapher
Ich bin nicht klein, ich bin nicht groß
Hyperbel
Mit aufgeräumten frohen Minen / Such ich der ganzen Welt zu dienen
Kontrast
Ich liebe Kunst und Wissenschaft / Und lache wenn man sich vergafft
Metapher
Mit dieser wird dir kund gethan
Personifikation
Mein fester Sinn pflegt nicht zu wanken