Als sich mit Schmerzen
1788Als sich mit Schmerzen, In Tränen und stumm, Trennten die Herzen, Wer sagt, warum? - Kalt dein Gesicht und blass, Kälter dein Kuss; O damals ahnt ich, was Nun kommen muss.
Es taute der Morgen So schaurig kühl, Mich warnte verborgen Ein Vorgefühl. Die Schwüre verwehten, Die Ehre zerbrach, Dein Ruf ist zertreten Und mein deine Schmach.
Dein Name umklingt mich Wie Totengeläut. Ein Schauer durchdringt mich, Als liebt ich noch heut. Wie gut ich dich kannte, Wem ist es bewusst? Wer weiß, wie mir brannte Von Reue die Brust?
Verstohlen besessen, Verstohlen beweint, Dass du mich vergessen, Verraten den Freund! Nach langem Büßen, Wenn Jahre herum, Wie soll ich dich grüßen? - In Tränen und stumm.
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Interpretation
Das Gedicht "Als sich mit Schmerzen" von George Gordon Lord Byron handelt von einer schmerzhaften Trennung und den damit verbundenen Gefühlen von Trauer, Reue und Schmach. Der Sprecher erinnert sich an den Moment der Trennung, der von Tränen und Stille geprägt war, und ahnt bereits damals das Unheil, das kommen wird. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher die Folgen der Trennung. Die Schwüre wurden verweht, die Ehre zerbrach und der Ruf der Geliebten ist zertreten. Der Sprecher selbst fühlt sich von Schmach erfüllt. Der Name der Geliebten klingt wie ein Totenlied in seinen Ohren, und er spürt einen Schauer, der ihn durchdringt, als ob er sie noch heute lieben würde. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert der Sprecher über seine frühere Beziehung zur Geliebten. Er kennt sie gut, aber nur er selbst weiß, wie sehr er unter der Trennung leidet und wie sehr seine Brust von Reue brennt. Er hat sie heimlich besessen und nun heimlich beweint, da sie ihn vergessen und den Freund verraten hat. Nach langer Buße fragt er sich, wie er sie in Zukunft begrüßen soll - wieder nur in Tränen und Stille.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Verstohlen' in den Zeilen 'Verstohlen besessen, Verstohlen beweint' betont die heimliche Natur der beschriebenen Handlungen.
- Enjambement
- Der Zeilenumbruch in 'Als sich mit Schmerzen, In Tränen und stumm' führt den Gedanken über die Zeilen hinweg fort und verstärkt den Fluss der Emotionen.
- Hyperbel
- Die Aussage 'Wie soll ich dich grüßen? - In Tränen und stumm' übertreibt die emotionale Intensität der Situation.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen 'Kalt dein Gesicht und blass' und 'Kälter dein Kuss' verstärkt das Gefühl der Kälte und Distanz.
- Metapher
- Der Vergleich von 'Dein Name umklingt mich Wie Totengeläut' stellt den Namen als eine Art Trauerglocke dar.
- Personifikation
- Die Schwüre werden als 'verweht' beschrieben, was ihnen menschliche Fähigkeit zum Wegfliegen verleiht.
- Vorausdeutung
- Die Zeile 'O damals ahnt ich, was Nun kommen muss' deutet auf zukünftige Ereignisse hin, die noch nicht eingetreten sind.