Als er in Frankenberg bei Aachen wohnte

Max von Schenkendorf

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Ich zieh′ in euch, ihr Mauern, Mit Wehmuth und mit Lust, O Vorzeit reich an Schauern, Du ziehst in meine Brust.

Ihr Wände habt belauschet Des alten Kaisers Glück, Von Saitenklang durchrauschet, Erhellt vom Sonnenblick.

Hier hat der Held gesessen, Als ihm sein Lieb entschlief: Die Lust war unermessen, Das Leid war gar zu tief.

Und was ihn so gekränket, Was ihm sein Herz bezwang, Liegt hier im See versenket Schon tausend Jahre lang.

Der Ring von seiner Lieben, Den trug sie an der Hand, In dem ein Wort geschrieben Von ew′gem Liebespfand;

Den hat der See verschlungen: Da war der Karl geheilt. - Der Pilger blickt gezwungen Zur Tiefe nun und weilt.

Wol Jeder hat getrunken Vom Becher voll und süß, Wol Jedem liegt versunken Ein frühes Paradies.

Drum ist der See so trübe, Mit Laub und Schilf bedeckt, Weil ihren Gram die Liebe Gern aller Welt versteckt.

Ihr Glück läßt Liebe scheinen Und zeigt es unverstellt; Doch muß die Liebe weinen, So flieht sie vor der Welt.

O Sehnsucht allgewaltig, Halb dunkel, halb bewußt, O Sehnsucht, vielgestaltig Beschleichst du meine Brust.

Ich will nun in die Felder Und an die klaren See′n, Durchschweifen grüne Wälder Und alte Felsenhöh′n.

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Illustration zu Als er in Frankenberg bei Aachen wohnte

Interpretation

Das Gedicht "Als er in Frankenberg bei Aachen wohnte" von Max von Schenkendorf handelt von der Sehnsucht nach vergangener Zeit und der Liebe. Der Sprecher zieht in die Mauern von Frankenberg ein, die voller Schauern und Erinnerungen sind. Die Wände haben den alten Kaiser belauscht und sind vom Sonnenlicht erhellt. Der Held, der einst in diesen Mauern saß, hatte eine unermessliche Lust, aber auch ein tiefes Leid, als seine Liebe starb. Der Ring seiner Geliebten, der ein Wort von ewiger Liebe trug, wurde im See versenkt und liegt dort schon tausend Jahre lang. Der Pilger, der den See betrachtet, wird von der Tiefe angezogen und verweilt dort. Die Liebe hat einen trüben See geschaffen, der von Laub und Schilf bedeckt ist, um ihren Kummer vor der Welt zu verbergen. Die Liebe zeigt ihr Glück und zeigt es unverstellt, aber wenn sie weinen muss, flieht sie vor der Welt. Der Sprecher sehnt sich nach der allgewaltigen Sehnsucht, die ihn halb dunkel und halb bewusst beschleicht. Er möchte in die Felder und an die klaren Seen ziehen, durch grüne Wälder und alte Felsenhöhen wandern.

Schlüsselwörter

see liebe lust brust glück liegt wol welt

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Du ziehst in meine Brust
Anapher
O Sehnsucht allgewaltig, Halb dunkel, halb bewußt, O Sehnsucht, vielgestaltig
Bildsprache
Mit Laub und Schilf bedeckt
Enjambement
Der Pilger blickt gezwungen Zur Tiefe nun und weilt
Hyperbel
Das Leid war gar zu tief
Kontrast
Wol Jeder hat getrunken Vom Becher voll und süß
Metapher
Von Saitenklang durchrauschet
Parallelismus
Ihr Glück läßt Liebe scheinen Und zeigt es unverstellt
Personifikation
Ich zieh' in euch, ihr Mauern, Mit Wehmuth und mit Lust
Symbolik
Der Ring von seiner Lieben