Als der erste Schnee fiel
1828Gleich einem König, der in seine Staaten Zurück als Sieger kehrt, empfängt ein Jubel dich! Der Knabe balgt um deine Pflocken sich Wie bei der Krönung um Dukaten.
Selbst mir, obschon ein Mädchen, und der Rute Lang nicht mehr untertan, bist du ein lieber Gast; Denn siehst du nicht, seit du die Erde hast So weich belegt, wie ich mich spute?
Zu fahren ohne Segel, ohne Räder, Auf einer Muschel hin durch deinen weißen Flor, So sanft und doch so leicht, so schnell, wie vor Dem Westwind eine Pflaumenfeder.
Aus allen Fenstern und aus allen Türen Sieht mir der bleiche Neid aus hohlen Augen nach; Selbst die Matrone wird ein leises Ach! Und einen Wunsch um mich verlieren.
Denn der, um den wir Mädchen oft uns stritten, Wird hinter mir, so schlank wie eine Tanne, stehn Und sonst auf nichts mit seinen Augen sehn Als auf das Mädchen mit dem Schlitten.
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Interpretation
Das Gedicht "Als der erste Schnee fiel" von Leopold von Goeckingk beschreibt die Freude und Aufregung, die der erste Schneefall bei Kindern auslöst. Der Schnee wird mit einem siegreichen König verglichen, der triumphal in seine Staaten zurückkehrt, und die Kinder feiern ihn wie bei einer Krönung. Die Erzählerin, ein Mädchen, das zwar nicht mehr unter der Rute steht, freut sich ebenfalls über den Schnee. Sie nutzt die weiche, weiße Decke, um mit einer Muschel wie auf einem Schlitten zu fahren, sanft und leicht wie eine Pflaumenfeder im Westwind. Die Nachbarn schauen neidisch zu, sogar die Matrone seufzt und wünscht sich, dabei sein zu können. Am Ende des Gedichts wird deutlich, dass die Erzählerin einen besonderen Grund hat, sich über den Schnee zu freuen. Der Junge, um den sich die Mädchen oft streiten, wird hinter ihr stehen und nur Augen für sie haben, während sie mit ihrem Schlitten durch den Schnee gleitet. Der Schnee schafft somit eine romantische, märchenhafte Atmosphäre, in der sich die junge Liebe entfalten kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Selbst die Matrone wird ein leises Ach! Und einen Wunsch um mich verlieren
- Personifikation
- sieht mir der bleiche Neid aus hohlen Augen nach
- Vergleich
- So sanft und doch so leicht, so schnell, wie vor Dem Westwind eine Pflaumenfeder