Alphons der Weise
1761Am Tagus herrschte einst ein Fürst, den Fama preist Und noch auf diesen Tag Alphons den Weisen heißt; Nicht weil er klug, o nein, weil er gelehrt gewesen. Alphonsus konnte nicht nur lesen, Er war auch Astronom. Weit besser als sein Land War ihm das Firmament bekannt, Und er vergaß oft Staatsrat und Finanzen, Wenn er auf seiner Warte stand. Einst als er sich, umringt von seinen Schranzen, Dahin begab, sprach er entzückt im Gehen: Ich hoffe heut durch meine neuen Tuben Die Menschen in dem Mond zu sehen. Ei was, erwiderten die schlauen Lotterbuben, Dies wäre zu gemein; ein bärtiger Komet, Den noch kein Auge sah, wird sich herunter neigen Und ehrfurchtsvoll sich Ihro Majestät Versuchtem Adlerblicke zeigen. Indes man also schwatzte, trat Ein Greis mit kahlem Haupt und bloßer Ferse Dem König in den Weg und bat Um ein Geschenk aus seiner Börse. Allein Alphons ward seiner nicht gewahr; Der Alte trabt ihm nach und hält den Hut ihm dar; Doch der Monarch sprach ohne stillzustehen Nur immerfort: Ich werde heut Die Menschen in dem Monde sehen. Nun fasset ihn der Greis bei seinem Purpurkleid Und ruft mit hohem Ernst: Sie wohnen nicht dort oben, Herr, deine Brüder, deren Not Zu lindern Gott dich auf den Thron erhoben, Hier sind sie, hier, und fordern Brot.
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Interpretation
Das Gedicht "Alphons der Weise" von Gottlieb Konrad Pfeffel handelt von König Alphons, der wegen seiner Gelehrsamkeit und seines astronomischen Interesses bekannt ist. Trotz seiner Intelligenz und seines Wissens vernachlässigt er seine Pflichten als Herrscher, insbesondere die sozialen und finanziellen Angelegenheiten seines Landes. Das Gedicht kritisiert, dass Alphons mehr an den Sternen als an den Menschen interessiert ist, die er regiert. Ein entscheidender Moment tritt ein, als ein armer Greis den König anspricht und um Hilfe bittet. Alphons ist so sehr in seine astronomischen Beobachtungen vertieft, dass er den Greis zunächst ignoriert. Der Greis folgt ihm und fordert schließlich seine Aufmerksamkeit, indem er ihn am Purpurkleid festhält. Der Greis weist Alphons darauf hin, dass die Menschen, die er regiert, nicht im Mond, sondern hier auf der Erde leben und um Hilfe bitten. Dies ist eine eindringliche Erinnerung an die Verantwortung eines Herrschers gegenüber seinen Untertanen. Das Gedicht endet mit einer moralischen Botschaft, die die Bedeutung der sozialen Verantwortung und der Fürsorge für die Bedürftigen betont. Es kritisiert die Vernachlässigung der irdischen Pflichten zugunsten intellektueller oder wissenschaftlicher Bestrebungen. Alphons' Versäumnis, den Greis zu bemerken und ihm zu helfen, symbolisiert die größere Vernachlässigung der Bedürfnisse seines Volkes. Das Gedicht fordert eine ausgewogene Sichtweise, bei der sowohl intellektuelle Bestrebungen als auch soziale Verantwortung ihren Platz haben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allegorie
- Herr, deine Brüder, deren Not Zu lindern Gott dich auf den Thron erhoben
- Anspielung
- Am Tagus herrschte einst ein Fürst, den Fama preist
- Bildsprache
- Ein Greis mit kahlem Haupt und bloßer Ferse
- Direkte Rede
- Ich werde heut Die Menschen in dem Monde sehen
- Hyperbel
- Die Menschen in dem Mond zu sehen
- Ironie
- Nicht weil er klug, o nein, weil er gelehrt gewesen
- Kontrast
- Hier sind sie, hier, und fordern Brot
- Metapher
- Weit besser als sein Land war ihm das Firmament bekannt
- Personifikation
- Ein bärtiger Komet
- Symbolik
- Ein Geschenk aus seiner Börse