Almanächtig
1869Wenn nach süßem Abendschlummer Die Natur im Monde liegt, Da beginnt der große Kummer, Der zur Brust sich schmiegt.
Und die Sehnsucht, ach, zu stillen, Wandl′ ich in dem Dämmerlicht, Brechend ohne meinen Willen Ein Vergißmeinnicht.
Und ich sag′ es dir alleine, Daß ich gern verrathen bin, Denn die Thräne so ich weine, Strömt als Lied dahin.
Und der Schmerz um das verlor′ne Liebesblütheparadies Gleicht so seltsamsüß dem Dorne, Den die Rose ließ.
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Interpretation
Das Gedicht "Almanächtig" von Ludwig Eichrodt thematisiert die tiefe Sehnsucht und den Schmerz, der den lyrischen Ich nachts überkommt. In der mondbeleuchteten Natur erwacht eine große Trauer, die sich an die Brust des Sprechers schmiegt. Diese emotionale Verfassung wird durch die symbolische Handlung des Pflückens eines Vergissmeinnichts im Dämmerlicht ausgedrückt. Die zweite Strophe offenbart die Bereitschaft des lyrischen Ichs, sein Herz zu öffnen und seine Gefühle preiszugeben. Die geweinten Tränen verwandeln sich in Lieder, was auf eine kathartische Funktion der Trauer hindeutet. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass der Schmerz um eine verlorene Liebe, verglichen mit dem Paradies der Liebe, eine seltsam süße Qual ist, ähnlich dem Dorn, den die Rose zurücklässt. Die abschließende Metapher verdeutlicht die Ambivalenz der Liebe: Während die Rose Schönheit und Zärtlichkeit symbolisiert, steht der Dorn für den damit verbundenen Schmerz. Das Gedicht vermittelt somit die bittersüße Natur der Liebe und des Verlustes, wobei die nächtliche Stimmung und die symbolische Verwendung der Natur die emotionale Intensität der Erfahrung unterstreichen.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Und der Schmerz um das verlor′ne Liebesblütheparadies Gleicht so seltsamsüß dem Dorne, Den die Rose ließ
- Personifikation
- Wenn nach süßem Abendschlummer Die Natur im Monde liegt