Allzeitwunsch

Ludwig Eichrodt

1856

In dieser wunderbaren Zeit Wo man zerstört und baut, Da hab ich viel gezweifelt Und habe viel vertraut.

Von Mitteln hört ich und vom Zweck, Von Recht und Unrecht stets, Von Recht und Rechtsgefühlen, Moral und Rechts-Gesetz.

Man schied Geschichte und Vernunft, Sprach von Altar und Thron, Von Wahrheit und von Freiheit, Man sprach von Religion.

Ich sah, was gut und böse sei, Und wünschte Jenem Heil, Doch ward uns ohne Dieses Auch Jenes nicht zu Theil.

Ich sah die Ohnmacht, sah die Kraft, Trägheit und Eifer viel, Und Ziele sonder Wege Und Wege sonder Ziel.

Gott helf uns Allen, sagte man Zur guten alten Zeit, Es sagen: hilf dir selber, Wohl heutzutag die Leut.

Ach, wenn ich einmal wünschen darf, So wünsch ich Eines nur: Sie niemals zu verläugnen Die eigenste Natur!

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Illustration zu Allzeitwunsch

Interpretation

Das Gedicht "Allzeitwunsch" von Ludwig Eichrodt reflektiert die Verwirrung und den Zwiespalt des Autors in einer Zeit des Umbruchs und der Veränderung. Er beschreibt eine Epoche, in der alte Werte und Überzeugungen in Frage gestellt werden und neue Ideen und Bewegungen aufkommen. Eichrodt drückt seine Unsicherheit aus, als er von verschiedenen Meinungen und Lehren hört, die sich widersprechen und ihn verwirren. Er sehnt sich nach einer klaren Orientierung und einer stabilen Grundlage für sein Leben. Der Autor beschreibt seine Beobachtungen der Gesellschaft und der Menschen um ihn herum. Er sieht die Dualität von Gut und Böse, von Ohnmacht und Kraft, von Trägheit und Eifer. Er erkennt, dass es oft keine klaren Ziele oder Wege gibt, um diese Gegensätze zu überwinden. Eichrodt bedauert den Verlust des gemeinsamen Glaubens und der gegenseitigen Unterstützung, die in früheren Zeiten selbstverständlich waren. Stattdessen herrscht heute ein egoistisches und individualistisches Denken vor, bei dem jeder nur für sich selbst sorgt. Am Ende des Gedichts äußert Ludwig Eichrodt seinen tiefsten Wunsch: Er möchte nie seine eigene Natur verleugnen oder verlieren. Er sehnt sich danach, authentisch und wahrhaftig zu bleiben, auch wenn die Welt um ihn herum im Wandel ist. Eichrodt hofft, dass er seine innere Überzeugung und Integrität bewahren kann, unabhängig von den äußeren Einflüssen und Veränderungen. Er wünscht sich, dass er immer zu sich selbst stehen und seiner eigenen Natur treu bleiben kann.

Schlüsselwörter

viel sah zeit recht sprach sonder wege wunderbaren

Wortwolke

Wortwolke zu Allzeitwunsch

Stilmittel

Alliteration
Trägheit und Eifer viel
Anapher
Von Mitteln hört ich und vom Zweck, Von Recht und Unrecht stets, Von Recht und Rechtsgefühlen, Moral und Rechts-Gesetz.
Chiasmus
Und Ziele sonder Wege Und Wege sonder Ziel.
Kontrast
Ich sah, was gut und böse sei, Und wünschte Jenem Heil, Doch ward uns ohne Dieses Auch Jenes nicht zu Theil.
Parallelismus
Gott helf uns Allen, sagte man Zur guten alten Zeit, Es sagen: hilf dir selber, Wohl heutzutag die Leut.