Allnächtlich im Traume...
1797Allnächtlich im Traume seh ich dich, Und sehe dich freundlich grüßen, Und lautaufweinend stürz ich mich Zu deinen süßen Füßen.
Du siehst mich an wehmütiglich, Und schüttelst das blonde Köpfchen; Aus deinen Augen schleichen sich Die Perlentränentröpfchen.
Du sagst mir heimlich ein leises Wort, Und gibst mir den Strauß von Zypressen. Ich wache auf, und der Strauß ist fort, Und das Wort hab ich vergessen.
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Interpretation
Das Gedicht "Allnächtlich im Traume..." von Heinrich Heine beschreibt einen Traum, in dem der lyrische Ich seinen Geliebten sieht. In der ersten Strophe wird der Traum geschildert, in dem der Geliebte freundlich grüßt und der Träumende zu seinen Füßen stürzt. Die zweite Strophe zeigt die Reaktion des Geliebten: Er sieht den Träumenden wehmütig an, schüttelt den Kopf und Tränen fließen aus seinen Augen. In der dritten Strophe wird ein leises Wort gesprochen und ein Strauß Zypressen überreicht. Doch beim Erwachen ist der Traum vorbei, der Strauß ist verschwunden und das gesprochene Wort ist vergessen. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Sehnsucht und Melancholie. Der Traum symbolisiert die innige Verbindung zwischen den beiden Liebenden, die im wachen Zustand nicht möglich ist. Die wehmütigen Blicke und Tränen des Geliebten deuten auf eine unerfüllte Liebe oder eine bevorstehende Trennung hin. Die Zypressen, die oft als Trauer- oder Grabpflanze dienen, verstärken diesen Eindruck. Der Verlust des Straußes und des Wortes beim Erwachen verdeutlicht die Vergänglichkeit und Unerreichbarkeit dieser Traumwelt. Heine nutzt geschickt die Traumsequenz, um die Gefühle des lyrischen Ichs auszudrücken. Die Wiederholung des Wortes "Traum" und die Verwendung des Präsens vermitteln eine unmittelbare, gegenwärtige Erfahrung. Die enge Anlehnung an die Realität im Traum macht den Kontrast zum Erwachen umso schmerzlicher. Das Gedicht fasst auf eindringliche Weise die Ambivalenz von Liebe, Sehnsucht und Verlust zusammen und lässt den Leser an der emotionalen Intensität des lyrischen Ichs teilhaben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Allnächtlich im Traume seh ich dich
- Ironie
- Ich wache auf, und der Strauß ist fort, Und das Wort hab ich vergessen
- Metapher
- Und gibst mir den Strauß von Zypressen
- Personifikation
- Und lautaufweinend stürz ich mich