Allheimat

Gerrit Engelke

1921

Könnt ich mich lösen vom starren Gebein, Von erdegeborener Schwere: Könnt ich in Lüften eine Wolke sein, – Ein Funkeln im Sternenheere –

Könnt ich zerbrechen den drückenden Zaum, In Licht und in Brausen verließen: In rollende Wogen, in stürzenden Schaum Die durstende Seele ergießen –

O könnt ich in rauschendem, rasendem Spiel, Im Sturm sein ein seliger Reiter: Ich weiß nicht wohin – ohne Maß, ohne Ziel Immer weiter, immer weiter – –

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Illustration zu Allheimat

Interpretation

Das Gedicht "Allheimat" von Gerrit Engelke thematisiert die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach Freiheit und grenzenloser Bewegung. Es beschreibt den Wunsch, sich von den Fesseln der physischen Existenz zu lösen und in verschiedenen Formen der Natur aufzugehen. Das Ich sehnt sich danach, eine Wolke zu sein, ein Stern, Licht und Brausen zu verkörpern oder in rollende Wogen und stürzenden Schaum überzugehen. Diese Metamorphosen symbolisieren den Wunsch nach Ungebundenheit und der Auflösung des Ichs in etwas Größeres. Die Sprache des Gedichts ist von starken, dynamischen Bildern geprägt. Engelke verwendet Begriffe wie "Lüften", "Funkeln", "Licht", "Brausen", "rollende Wogen" und "stürzenden Schaum", die alle Bewegung und Veränderung implizieren. Der wiederkehrende Konjunktiv "Könnt ich" unterstreicht die Unmöglichkeit dieser Wünsche und verleiht dem Gedicht eine melancholische Note. Die Sehnsucht des Ichs bleibt unerfüllt, es bleibt an die physische Existenz gebunden. Im letzten Vers findet sich eine leichte Veränderung im Ausdruck der Sehnsucht. Das Ich wünscht sich, "im Sturm ein seliger Reiter" zu sein, was eine aktivere Rolle in der Natur suggeriert. Die Fahrt "immer weiter, immer weiter" ohne Ziel oder Maß deutet auf eine unendliche, ziellose Reise hin. Dies könnte als Metapher für das menschliche Leben verstanden werden, das oft ohne klares Ziel voranschreitet, getrieben von einer inneren Unruhe und dem Streben nach Freiheit und Erfüllung.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
rauschendem, rasendem Spiel
Anapher
Könnt ich mich lösen vom starren Gebein, / Von erdegeborener Schwere: / Könnt ich in Lüften eine Wolke sein, – / Ein Funkeln im Sternenheere –
Hyperbel
Könnt ich zerbrechen den drückenden Zaum, / In Licht und in Brausen verließen: / In rollende Wogen, in stürzenden Schaum / Die durstende Seele ergießen
Metapher
Ohne Maß, ohne Ziel
Parallelismus
Immer weiter, immer weiter
Personifikation
Im Sturm sein ein seliger Reiter