Allgegenwart
1934Gleich wie das Eine große Licht, Der Urquell alles Guten, Sich hell in tausend Strahlen bricht, Das Weltall zu durchfluten;
Und wie der Farben bunte Pracht, Das Dunkle wie das Helle, Das deine Sinne trunken macht, Nur Eines Stromes Welle;
So hat der Eine Gott sich auch, Der alles hält umschlossen, Mit Schöpferdrang, mit Liebeshauch Weit durch das All ergossen.
Du siehst in jeder Creatur, Rings durch das Weltgetriebe, Von seiner Allmacht eine Spur, Ein Denkmal seiner Liebe.
Er ruft dir zu, er treibt dich an Aus hunderttausend Pforten, Sein tiefster Grund liegt aufgethan In Werken und in Worten.
So fühle nun mit ihm dich eins Und eins mit allem Leben, So wirst du in der Flut des Seins Als Tropfen gern verschweben.
In jeder Blume, jedem Stern Erblickst du Gottes Zeichen. In jeder Seele nah und fern Erkennst du deinesgleichen.
Und wie der Schöpfung großer Ring In innigstem Vereine Umschlossen hält jedwedes Ding, Das Große wie das Kleine:
So halte du in Liebe auch Den Himmel wie die Erde, Daß deines Athems schwacher Hauch Ein Sturmwind Gottes werde:
Allüberall ein einzig Meer Der Liebe zu entzünden, Und laut durch Thaten ringsumher Den Ew′gen zu verkünden!
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Interpretation
Das Gedicht "Allgegenwart" von Robert Eduard Prutz ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Allgegenwart Gottes und seiner Liebe in der gesamten Schöpfung. Prutz verwendet lebendige Bilder und Metaphern, um die Idee zu vermitteln, dass Gott in allem existiert und sich in der Natur und im menschlichen Leben manifestiert. In den ersten Strophen vergleicht Prutz die Vielfalt des Lichts und der Farben mit der Einheit Gottes. Er beschreibt, wie das eine große Licht sich in tausend Strahlen bricht und die Welt erhellt, ähnlich wie Gott sich in seiner Schöpfung manifestiert. Die Farbenpracht, die unsere Sinne berauscht, ist nur eine Welle eines einzigen Stroms, was die Einheit in der Vielfalt symbolisiert. Prutz betont, dass Gott mit "Schöpferdrang" und "Liebeshauch" weit durch das All ergossen ist. In jeder Kreatur und im gesamten Weltgetriebe sieht man Spuren seiner Allmacht und Denkmäler seiner Liebe. Gott ruft und treibt uns aus hunderttausend Pforten an, und sein tiefster Grund offenbart sich in Werken und Worten. Der Dichter ermutigt den Leser, sich eins mit Gott und allem Leben zu fühlen, wie ein Tropfen in der Flut des Seins. Das Gedicht schließt mit der Aufforderung, die Schöpfung in Liebe zu umarmen und den Himmel wie die Erde zu halten. Prutz ruft dazu auf, die Liebe zu entzünden und durch Taten den Ewigen zu verkünden. Die Idee der Einheit und Verbundenheit durchzieht das gesamte Gedicht und lädt den Leser ein, die göttliche Präsenz in allem zu erkennen und zu feiern.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Allüberall ein einzig Meer Der Liebe zu entzünden
- Hyperbel
- Daß deines Athems schwacher Hauch Ein Sturmwind Gottes werde
- Metapher
- Gleich wie das Eine große Licht, Der Urquell alles Guten
- Parallelismus
- In jeder Blume, jedem Stern Erblickst du Gottes Zeichen. In jeder Seele nah und fern Erkennst du deinesgleichen
- Personifikation
- Er ruft dir zu, er treibt dich an
- Symbolik
- In jeder Blume, jedem Stern Erblickst du Gottes Zeichen
- Vergleich
- Gleich wie das Eine große Licht, Der Urquell alles Guten, Sich hell in tausend Strahlen bricht