Alles wird wertlos

Max Dauthendey

1893

Als ich Abschied nahm von deinem Mund, Hielt mich noch dein Haar wie Arme fest; Ich ward stumm von der Stille jener Stund, Und von deiner Träne blind, Die mich nicht mehr verläßt.

Wenn du mich verläßt, Kann mein Herz nicht fliegen, Und sitzt wie ein nasser Vogel im Nest.

Sonst seh ich in alle Kammern hinein, Doch wenn du mich verläßt, Steh ich an Türen von Stein.

Alles wird wertlos, Auch’s Gold in der Hand, Und die Sehnsucht führt mich Hinkend durchs Land.

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Illustration zu Alles wird wertlos

Interpretation

Das Gedicht "Alles wird wertlos" von Max Dauthendey handelt von der tiefen Trauer und Verzweiflung, die der Sprecher empfindet, wenn er an den Abschied von seiner Geliebten denkt. Die erste Strophe beschreibt den Moment des Abschieds, in dem der Sprecher von der Geliebten körperlich und emotional umfangen wird. Die Träne der Geliebten blendet ihn und lässt ihn nicht mehr los, was die Intensität der emotionalen Bindung verdeutlicht. In der zweiten und dritten Strophe wird die Hilflosigkeit und das Gefühl der Leere dargestellt, das der Sprecher empfindet, wenn er an den möglichen Verlust seiner Geliebten denkt. Sein Herz kann nicht mehr fliegen, sondern sitzt wie ein nasser Vogel im Nest. Er fühlt sich wie vor verschlossenen Türen, die er nicht öffnen kann. Diese Bilder symbolisieren die emotionale Lähmung und die Unfähigkeit, ohne die Geliebte weiterzuleben. Die letzte Strophe fasst die zentrale Aussage des Gedichts zusammen: Alles wird wertlos, wenn die Geliebte nicht mehr da ist. Sogar materieller Reichtum verliert an Bedeutung. Die Sehnsucht nach der Geliebten führt den Sprecher hinkend durchs Land, was seine tiefe Verletzlichkeit und Abhängigkeit von der Geliebten verdeutlicht. Das Gedicht vermittelt eindringlich die Intensität der Liebe und die tiefe Verzweiflung, die ein möglicher Verlust auslösen kann.

Schlüsselwörter

verläßt abschied nahm mund hielt haar arme fest

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Alles wird wertlos, Auch's Gold in der Hand
Metapher
Steh ich an Türen von Stein
Personifikation
Und die Sehnsucht führt mich
Vergleich
Hielt mich noch dein Haar wie Arme fest