Alles mit Maß

Eduard Mörike

1804

Mancherlei sind es der Gaben, die gütige Götter den Menschen Zum Genusse verliehn, sowie für die tägliche Notdurft. Aber vor jeglichem Ding begehr ich gebratenen Schweinsfuß. Meine Frau Wirtin, die merkt’s, nun hab ich alle Tag Schweinsfüß. Öfters im Geist ahnt mir: jetzt ist kein einziger Schweinsfuß Mehr in der Stadt zu erspähn: was hab ich am Abende? Schweinsfüß! Spräche der König nun gleich zum Hofkoch: Schaffe mir Schweinsfüß! Gnade der Himmel dem Mann, denn nirgend mehr wandelt ein Schweinsfuß. Und ich sagte zur Wirtin zuletzt: »Nun laßt mir die Schweinsfüß! Denn er schmeckt mir nicht mehr wie sonst, der bräunliche Schweinsfuß.« Aber sie denkt, aus Zartgefühl nur verbät ich die Schweinsfüß, Lächelnd bringet sie mir auch heute gebratenen Schweinsfuß - Ei so hole der Teufel auf ewig die höllischen Schweinsfüß!

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Illustration zu Alles mit Maß

Interpretation

Das Gedicht "Alles mit Maß" von Eduard Mörike handelt von der menschlichen Neigung, sich an etwas zu gewöhnen und es dann zu überdosen, bis es zur Last wird. Der Erzähler begehrt zunächst gebratene Schweinsfüße und bekommt sie jeden Tag von seiner Frau Wirtin serviert. Doch bald wird er von der ständigen Wiederholung genervt und wünscht sich Abwechslung. Das Gedicht verwendet eine humorvolle und ironische Sprache, um die Absurdität der Situation zu verdeutlichen. Der Erzähler stellt sich vor, dass selbst der König nach Schweinsfüßen verlangen würde, aber es keine mehr gäbe. Er versucht seiner Frau zu erklären, dass er keine Lust mehr auf Schweinsfüße hat, aber sie versteht ihn falsch und bringt ihm weiterhin welche. Das Gedicht endet mit einer drastischen Bitte an den Teufel, die "höllischen Schweinsfüße" für immer zu holen. Dies zeigt die Verzweiflung des Erzählers und seine Bereitschaft, auf alles zu verzichten, nur um der Monotonie zu entkommen. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Bedeutung von Maß und Ausgewogenheit im Leben an und warnt vor der Gefahr, sich zu sehr an etwas zu gewöhnen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Meine Frau Wirtin, die merkt's, nun hab ich alle Tag Schweinsfüß.
Direkte Rede
»Nun laßt mir die Schweinsfüß! Denn er schmeckt mir nicht mehr wie sonst, der bräunliche Schweinsfuß.«
Hyperbel
Öfters im Geist ahnt mir: jetzt ist kein einziger Schweinsfuß mehr in der Stadt zu erspähn
Ironie
Spräche der König nun gleich zum Hofkoch: Schaffe mir Schweinsfüß! Gnade der Himmel dem Mann, denn nirgend mehr wandelt ein Schweinsfuß.
Wiederholung
Schweinsfüß