Alles längst nun, längst vorüber
1864Alles längst nun, längst vorüber! Fünfmal schon ward′s Winter drüber! immer andres drängte her! Neue Jahre, neue Ziele! Selten spiel ich jene Spiele und noch seltener sing ich mehr!
Wie die Zeit es eben ändert: jener landet, dieser kentert, der liegt windstill wo auf See … bleibt man nur auf seinem Posten und läßt Kopf und Herz nicht rosten, geh es immer, wie es geh!
Meist wohl ist′s ja dummer Plunder; manchmal doch glückt auch ein Wunder, noch viel eher aber fällt′s! Was drum rinnt, laß ruhig rinnen! nur wer aushält, wird gewinnen … nicht ein jeder freilich hält′s!
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Interpretation
Das Gedicht "Alles längst nun, längst vorüber" von Cäsar Flaischlen reflektiert über die Vergänglichkeit der Zeit und die Veränderungen im Leben. Der Sprecher blickt zurück auf vergangene Jahre, die bereits fünfmal von Winter überzogen wurden, und erkennt, dass sich vieles verändert hat. Neue Ziele und Interessen haben die alten Spiele und Lieder verdrängt, was den unaufhaltsamen Lauf der Zeit symbolisiert. In der zweiten Strophe vergleicht der Sprecher das Leben mit einer Seefahrt, bei der manche erfolgreich landen, andere kentern und wieder andere im Windstill liegen. Trotz dieser Unsicherheiten und der Unberechenbarkeit des Lebens rät er dazu, standhaft zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen. Die Metapher des Seemanns, der auf seinem Posten ausharrt, unterstreicht die Notwendigkeit von Ausdauer und Beharrlichkeit. Die letzte Strophe bringt eine Mischung aus Resignation und Hoffnung zum Ausdruck. Der Sprecher erkennt an, dass vieles im Leben vielleicht "dummer Plunder" ist, aber hin und wieder auch ein Wunder gelingen kann. Er ermutigt dazu, die Dinge geschehen zu lassen und auszuhalten, da nur wer durchhält, letztendlich gewinnen wird. Doch er gibt auch zu, dass nicht jeder diese Standhaftigkeit aufbringen kann, was die menschliche Schwäche und die Herausforderungen des Lebens unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Fünfmal schon ward's Winter drüber!
- Anapher
- Alles längst nun, längst vorüber!
- Bildsprache
- bleibt man nur auf seinem Posten
- Hyperbel
- Meist wohl ist's ja dummer Plunder
- Ironie
- nicht ein jeder freilich hält's!
- Kontrast
- jener landet, dieser kentert
- Metapher
- der liegt windstill wo auf See
- Personifikation
- Was drum rinnt, laß ruhig rinnen!