Allerseelen

Georg Trakl

1887

Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen, Sie streuen heute Blumen blau und rot Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen. Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.

O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen, Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn. Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen, Auch sieht man Lichter in die Irre gehn.

Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen Und dort verwest die Mutter mit dem Kind. Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen Und wunderlich zerstreut im Abendwind.

Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen. Erbarm′ dich Gott der Frauen Höll′ und Qual, Und dieser hoffnungslosen Todesklagen. Einsame wandeln still im Sternensaal.

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Illustration zu Allerseelen

Interpretation

Das Gedicht "Allerseelen" von Georg Trakl beschreibt eine düstere und melancholische Atmosphäre an Allerseelen, dem Tag der Toten. Menschen verschiedener Geschlechter und Altersgruppen versammeln sich, um Blumen auf die Gräber ihrer Verstorbenen zu legen. Die Stimmung ist von Trauer und Angst geprägt, die Lebenden erscheinen wie Schatten oder Puppen vor dem Hintergrund des Todes. Die zweite Strophe vertieft das Gefühl der Trauer und des Verlustes. Der Herbstwind trägt das Weinen der Ungeborenen, was auf die Vergänglichkeit des Lebens und den Kreislauf von Geburt und Tod hindeutet. Lichter, die in die Irre gehen, symbolisieren die Orientierungslosigkeit und die Unsicherheit der Menschen angesichts des Todes. In der dritten Strophe wird die Verwirrung und das Leid der Lebenden betont. Die Liebenden seufzen in den Geästen, während eine Mutter mit ihrem Kind verwest. Die Lebenden erscheinen unwirklich und zerstreut im Abendwind, was ihre Vergänglichkeit und die Flüchtigkeit des Lebens unterstreicht. Das Gedicht endet mit einem Appell an Gott, sich der Frauen, die in der Hölle leiden, und der hoffnungslosen Todesklagen zu erbarmen. Die Einsamen wandeln still im Sternensaal, was auf die Einsamkeit und die Unausweichlichkeit des Todes hindeutet.

Schlüsselwörter

voll männlein weiblein traurige gesellen streuen heute blumen

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Stilmittel

Alliteration
Die Wiederholung des 's'-Lautes in 'sie scheinen, Schatten'
Kontrast
Der Kontrast zwischen dem 'Lebendigen Reigen' und dem 'Abendwind'
Metapher
Der 'Sternensaal' als Ort der Einsamkeit
Onomatopoesie
Das 'Weinen' der Ungebornen klagt im Herbstwind
Symbolik
Die Blumen blau und rot symbolisieren die Trauer und das Gedenken