Allerseelen 1900
1900Heut Allerseelentag, welch milde Lüfte, Bei solchem Sonnenschein thun sich auf die Grüfte.
Gott, mutet an mich wie von fernen Zonen, Der Falter hier in Farbe der Citronen!
An letzter Blume sich noch festzsaugen, der andre dort im Kleid der Pfauenaugen.
Von welchen Küsten doch, von welchen Reichen, Sie hergesegelt mit dem Wunderzeichen!
Welch milder Tagesschein! Welch silbrig Weben!– Ja, so mags sein dereinst als Geist zu schweben!–
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Interpretation
Das Gedicht "Allerseelen 1900" von Christian Wagner beschreibt einen milden und sonnigen Allerseelentag, an dem sich die Gräber zu öffnen scheinen. Die warme Atmosphäre und das Licht lassen den Dichter an ferne Zonen denken und er vergleicht die Falter, die er sieht, mit den Farben von Zitronen und Pfauenaugen. Diese Falter wirken wie Besucher von fernen Küsten und Reichen, die mit einem Wunderzeichen zu ihm gekommen sind. Die sanfte Tagesstimmung und das silbrige Weben der Falter lassen den Dichter über das Jenseits nachdenken. Er imaginiert, dass es dereinst ähnlich sein könnte, als Geist durch die Welt zu schweben. Die Falter dienen als Symbol für die Seelen der Verstorbenen, die an diesem Tag zu Besuch kommen und den Lebenden ihre Gegenwart spüren lassen. Das Gedicht verbindet die irdische Schönheit des Herbsttages mit der Vorstellung einer spirituellen Sphäre. Die Natur, repräsentiert durch die Falter und die warme Atmosphäre, wird zum Medium, das den Übergang zwischen den Welten ermöglicht. Der Dichter findet Trost und Hoffnung in der Vorstellung, dass die Verstorbenen nicht ganz fort sind, sondern in einer anderen Form weiter existieren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- silbrig Weben
- Bildsprache
- mit dem Wunderzeichen
- Hyperbel
- von welchen Küsten doch, von welchen Reichen
- Metapher
- thun sich auf die Grüfte
- Personifikation
- sich noch festzsaugen
- Vergleich
- mutet an mich wie von fernen Zonen